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Full text of "Schwarze Faden - Zeitschrift Nummer 0-77"

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EDITORIAL 


Es spinnt sich ein schwarzer Faden durch 
die Geschichte der kompromißlosen Kämpfe um und für die 
te ist', wo an ihm anzuknüpfen, wie er weiterzuspinnen 
machen wir den SCHWARZEN FADEN . 

Auf die Gefahr hin von unseren Sponti-Freunden als "Theorie-Freaks" verschrien zu werden 
halten wir es für notwendig, die Geschichte und Gegenwart der Unterdrückung, wie der (ja 
leider bisher meist erfolglosen) Befreiungskämpfe kritisch aufzuarbeiten - wir sind der 
Auffassung, daß diese Aufarbeitung zu unterlassen bedeutet, sich der Geschichtslosigkeit 
hinzugeben und sich von den wichtigsten Erfahrungen abzuschneiden. Ohne bewußte (aufgear 
beitete) Erfahrung jedoch kann es keine fortschrittliche Praxis geben. Wir verstehen 
unsere Artikel als Diskussionsbeiträge, auf die - auch kritisch - eingegangen werden 


die Geschichte der Menschheit: 
Freiheit. Wo dieser Faden heu¬ 
ist, um das herauszufinden, 



die Redaktion der 


science-ficti 
SCHWARZER FADEN (SF) 


Inhalt dieser Ausgabe : 


Unsere Identität - eine Kritik an der Avantgardepolitik der RAF 
eine Kritik am "Möchtegernsofti" Staat 
Strafe vor dem Urteil - Das kleine Rotkäppchen und die Isolation 

in dänischen Gefängnissen 
Am Beispiel Patty Hearst / Sozialkritik Teil 4 : 

Auf der,Suche nach Tania und Mizmoon - oder : Zur Psychologie des 
modernen Konformismus 
Die Schlächter 

Wahlboykott - Der Weisheit letzter Schluß ■ 

Schatten liegen auf Big Mountain 
Jeder Mensch - Ein Narr 
Anarcho-Syndikalismus - Ja oder Nein ? 


8 

,12 


,19 

,22 

,26 

,30 

32 


Redaktionskollektiv dieses Heftes 
Herbert Wieder,Niederhöchstadt 
Horst Blume, Hamm/Westf. 

Stefan Blankertz, Münster/Westf. 
Volker Eichler, Frankfurt 
Friederike Kamann, Reutlingen 
Gudrun Winkelmann, Reutlingen 
Wolfgang Haüg, Reutlingen 
Jürgen Wierzoch, Oslo 



Herausgeber : 

Redaktion Schwarzer Faden 
Ob. Weibermarktstr. 3 
741 Reutlingen 

Druck: 

winddruck verlag 
Am Dünkelsloh 13 
3554 Lohra/Rodenhausen 

V. i.Sid.P.: 

Wolfgang Haug 
Ob.Weibermarktstr.3 
741 Reutlingen 












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pf'nrps 


UNSERE IDENTITÄT 


|ir Verschlechterung ■ 
ktom-und Polizeistaat 


















f Arbeit gegen 4ie Ho^lrlsicherheitstrakte, gegeo XsoIatiÖnöfbiter und Psychiatris: 

wird jedoch für größere Kreise als die. Guerilla/wict^tig> : Man braucht sich'jedo< 
; die Praxis z.B. im US-amerikanischen Knast «MARION" (IlMhois) anzuschauen, wo 
'• ^ef ^&*Skknnet, Erschein und Levinson-Vois 
durchgeführt wird* Diese tägliche Praxis bedeutet in Schlägworten "jeden Abend 
LIERTE Bewegung", ä. fo. die Kontrolle über den eigenen Körper Wird systematisch 
■häufei*: «dauernde Beobachtung und dauerndes Abhören", «viermal täglich Chemoth« 
und eben "Gehirnwäsche". Das Resultat faßte ein Gefangener deutlichste zusammei 

"Wer nicht bereit ist , Roboter zu wärdän,. wi'M-'.dieseh- Rfeast wohl kaum lebendh 


Um dieses menschenzerstörende Ziel zu erreichen, ist es wesentlich mit Belohn 
Sträfling/** fein abgestuft *? abzuwechseln.. MARION "beherbergt" politische Gef 
den schwarzen Anarchisten Lorenzo Komboa Erwin oder bis vor kurzem den AIM-Mi 
Leonard Peltier, die sich in änderen "normaleren” Knästen nicht zerstören Ile 
Umstand sollte in der heutigeli Diskussion zwischen den Forderungen, nach NO 
und INTERÄKTIONSFiiHIGEN GRUPPEN nicht untergehen. Die Hochsicherheitstrakts 
einer "Endiasung« für politische und sich politisierende. Gefangene? die Forde 
interaktionsfähigen Gruppen wird widersinnig, wenn Sie den Trakt dabei in Kau 
Die Forderungnach Normalvollzug läuft r obwohl grundsätzlich richtig - Gefäh 
sehen, warum Sbchsigfeerheits.tr akts gebaut werden. Die Antwort auf diese Frage 

die RAF heute gibt und dämit ihre eigene Sold« in de’ 


... ;• / 7 : '77 " ■ ; ■ V v. .■ --"i 

Daß Marx den Zustand der heutigen BSD wohl kaum mit "Kannibalismus" beschrieben 

fällt dabei allerdings unter den Tisch. Auch bereits in d^n 70er Jahren konnten 
lediglich Intellektuelle den "Kannibalismus", den die BRD in der 3.Welt mitbetr 
übersetzen, daß sie daraus den bewaffneten Kampf hier ableiteten. Die Chance, e 
Politik an die deutsche Bevölkerung za vermitteln, war von vornherein nicht geg« 
- es lag somit nicht nur. an der Hetze der bürgerlichen Presse. Jedes nätürlj 
Gefühl für die Notwendigkeit von bewaffnetem Widerstand, wie es etwa im Baskenli 
in Nordirland vorhanden ist, mußte in-tder • BRD fehlen, Befriife wie ^Vol.kstribnn^ 
"Volksgefängnis" wurden so zjir totalen Farce. Und - ums überspitzt (und tragisch 
zudrücken: das staatliche Konzept der ISOLIERUNG war adäquat, naheliegend und f| 
wendig-erfolgreich! ‘ ■ /'- ,-7'- v - <| 

Die umgekehrte Vermittlung zur RAF konnte (und kann) deshalb nur noch über J 
sönliche Schicksal (Tod, Knast) einzelher Mitglieder laufen. Doch selbst dies bl 
nicht ohne Beigeschmack: die Ideologie des bewaffneten Kampfes beherrscht die ll 
Oft so total und abstrakt (Ausnahme SpabguerilläU)/ daß ihr Tod einkalkulierti 
Die anarchistische Forderung nach der Seibstverantwortlichkeit und individuelle 
heit des einzelnen findet' sich in einer/solch entpersönlichenden Strategie nich 
■Ihre Kämpfer wirken genauso maschirtenhaft wie die Charaktermasken auf der ander 
die sterilen Verteidiger des Staatsapparats, ihr Ansinnen, der BRD die präfasc 
Maske vom Gesicht zu reißen, bedeutete eine Wahnsinnsstrategie, die höchstens : 
Reaktionen rechnete, diese aber gar nicht beeinflußen konnte. Das bedeutet ohn 
listische Schutzvorkehrungen in einem Wespennest herumzustochern, eine Unterdr 
provozieren, -um linke Genossen aus persönlichen Repressionserfahrungen zum B 
Kampf zu treiben? Mit einer solchen negativen Utopie (und Menschenverachtüng) 
sich zum Glück - keine breite Bewegung erzeugen. Die persönliche Betraffghhe: 
positiv im RAF-Ansatz gerade nicht enthalten war, wird negativ erzeugt. Dahint 
die pure Verzweiflung, nicht an den wirkiioheri Bedürfnissen in der BRD ansetz 


Die Sensibilität der Stadtguerilla und ihrer bnterstützer, <äie oft aus der per: 
Repressionserfahrung entstand, führte zu der Forderung sich mit ihnen und ihre 
zu identifizieren, - andernfalls man zu den Bullen, zum Staatsschutz etc. gehö 
diese Unfähigkeit Kritik aufzunehmen, zeigt, wie wenig Anarchismus in diesem 
Es gibt kein "entweder-oder" in der Politik, kein "richtig - oder falsch"; wer 
itt, lediglich zwei Teile spaltet, erklärt sich zum dogmatisch-elitären Verdenke 
viel schwerer auf notwendie Solidarität hoffen. V 7 

















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1 #,^ ntä 


und antiimperialistische Bef; 
BRD im Hinblick auf die ü$|^ I 
Dieser politische Ansatz i$| 
hat er wenig oder gar nichts, 
von jeder Bewegung in det.J$| 


ür die 3*.Welt' zu führen, isoliert 
en Probleme hier, hat nichts mit 


anarchistischem Politikverständni 
internationale Zusammenhänge, abe; 
die für die hier Betroffenen 
sich als Avantgarde zu fühi.^Ä^ 
dies in seinem letzten Brief mohr: 
greift: "Revolutionär im Kampf *$, I 
ist für mich: dem Volk äienen , ^|| 
Grundlage dient, zeigt'die 
der Konterrevolution selbst wird < 
mörderischen Todeswehen der 
trieren# nur ein Mittel den 

















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Ein- Ausschnitt aus bürgerlichen Zeitungen verdeutlicht, daß die Gleichsetzung i 
mit der RAF iiit'teätjp$||g4n'tfiirde. ..(Aus Brandfc’^öier 1 ' Rücksicht ■ im Hin! 
Entspannuhgspalii&k> mit "marxistischen" Staaten?) DER SPIEGEL,für.41,1974 beric! 
der Überschrift -ANARCHISTEN- : "Der Feme-Mord an Ulrich Schmücker im Berliner' 
scheint aufgeklärt.-Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ein halbes Dutzend ihzwi 
häftWter Anarchisten der gemeinschaftlichen 'Tat" ; v 

Nun ist der Pall so undurchsichtig, daß eine Verurteilung der Verhafteten eigeä 
in Präge kommen dürfte. Davon unabhängig muß aber festgestellt werden, daß ein 
dem Genossen Schmücker, sollte er von "Genossen" ausgeführt sein, hur beweiset 
die Praxis dieser Stadtguerillafraktion zu autoritärem Zirkeldenken verkommenS 
Vorkommnisse mit .ein' Grund für die oft Stattgefündeneh. ;, :pis'.|anii;ä»üngen sind, i 
gerne verschwiegen. Die Stellungnahme eines anarchistischen Dürruti-Kampfbunde 
es auch damals schon nicht an'Kritik gefehlt hat: "Abgesehen davon, daß wir di 
Schmückers ablehnen, abgesehen davon, daß ihr nicht durchs Volk beauftragt sei 
eure Erklärung, insbesondere "Volksgerichb" an die Großsprecherei der KPD/ML s 
glaubten wir, daß die Ermordung...eirtAkt der Bullen war." Ünd an späterer J 
“Wir sind kein^ fliegenden Hinrichtungskommandos. Für die Weiterentwicklung dl 
der BRD wäre es wichtig, daß ihr#eure arrögante Haltung aufgebt... Aus dieser! 


Int SPlEGSL,Nr .-47,1974 wird 'der heute «fitste. lieite. Brief von Hölger Me 
fred Grashof vom 31.10.74 abgedruckt. Dort finden sich u.a. folgende Passagen 
"Durch den Kampf für den Kampf. Aus den Siegen, aber mehr noch aus den Fehler: 
Flipps, aus den Niederlagen lernen. Das ist ein Gesetz des MARXISMUS. Kämpfen 
liegen, nochmals kämpfep, wieder unterliegen;, erneut kämpfen und so weiter ’bäj 

gültigen Siäg-^as ist/ die Bögik des Volkes. Sagt der Altei" I 

Eine solch fanatische Kampfphilosophie erstickt bereits den Kern möglicher Fr. 
und bestimmt das Verhalten der Kämpfenden über die abstrakte'Theorie. imGegej 
geht es dem Anarchismus grundsätzlich um den Zusammenhang von kollektiver SolJ 
und persönlicher Freiheit, um den Menschen gerade nicht zum Werkzeug einer ab; 
Sache zu machen! 1 


Der Rechtsstaat verhärtete sich -'■durchaus gemäß dSi 
nahmenzunehmendaufweitere Kreise der Linken aus. 
angelastet werden kann, zeigt KONKRET vom 2T.J.1975- 
Anarchisten ist nicht mehr an ( 
^llaiär aufgezählt: Gustav Heil 

Jusos... urid:''KomÄittjäiicn',4ilar „;’ r / 

per "Anarchismus-Bfegxiff" mußte alsd 'fftf,,««»..Beginn 
in der 2.Phase nicht mehr umfassend genug. Die Bölü 
die : Linksradi Wal eil:. kennten mit .dem'Beg'ri^ "Sjm&a.tfc 
in einer Ecke versammelt und isoliert werden. 

Mit der ftiö#'* und ”_|^n#:atfe,isäht:* '.: 

von der bürgerlichen Presse zu Begriffen degradiert 
keine/ Inhalte mehr kennen, sondern lediglich einem : 


Wie sieht nu« die RAF selbst ihren "Anarchismus"? . ' 

Und obwohl auch hier wieder ältere Zitate gebraucht werden, wird im 
daß sie noch nicht wesentlich überdacht worden sind. Das folgende Zi 
einem Interview auf—Fragen von "Le Monde diplomatique" im Juli 76: 
"Sie thematisierten: daß das Territorium der BRD seit ihrem Bestehen 
der völkerrechtswidrigen aggressiven Expansionspolitik der USA gegen 
gegen •verfassungsmäßige Regierungen dritter Staaten, gegen die antik 













Es bringt nichts, die \ 
zu diffamieren, und es 
burger Demonstranten, 3 
Spruch die umfassende ^ 
Problems oder ein Teil 
Das Problem, ist vielscl 
Oder sind alle AKW-Gegi 
stand propagieren? Odei 
haupt nicht? Haben wir 
Art andere als Teil dei 
zum alleinigen Maßstab 
bleiben viele Möglich Ja 
ANGLEICHUNG! Solche moj 
vergiften nur die Atmo* 
kussion. Die Hochsichei 
die tägliche Praxis in 
schiedlichen Positionei 


Näheres zu angesprochei 

- im nächsten SCHWARZE] 

- s'Blättle - Stuttgart 

- Autonomie ? Nr.2 (Nei 

- Lorenzo Komboa Erwin 





















Dies ist eine seht' sehwikäife und fiat einige eine seht gefährliche Arbeit, d 
swingt, vorsichtig vorzugehen. Das Ergebnis der Fragebogea-Ontärsuchung wird 
zentralen Index eingehep, den wir im Zentrum hier eintichten. Außerdem wird , 
süchung dazu beitragen, herauszufinden, wo sie ange#eadet werden kann, welch 
untersucht werden sollten, in welchen Ländern eine spezielle Aufmerksamkeit 
ist." , . 

Inge Kemp Genefke ist auch Leiterin einer Ärztegruppevon AmnSsty Internatio: 
Zentrum arbeitet aber unabhängig von AI und heißt "Center för Anti-Torture r 
I m Vorstand sind Prof.Äi; Aalund, der; .Arzt Jens Daugaard, 0r,Philip Berger, 
kanadische Ärztegruppe gegen Folter leitet, Prof.Irving Bernstein vom Massac 
Institute and Technology, die Oberärzten Lis Danielsen vomKommunekrankenhaui 
hagen und die Ärztin Inge Kemp Genefke vom ReicfiskraHfcenhauS. 





STRAFE VOR DEM URTEIL - DAS KLEINE ROTKÄPPCHEN UND DIE I 
DÄNISCHEN GEFÄNGNISSEN r 

. ■ • von Friederil 


Öas dänische Gefängniswesen genießt international den Ruf, eines der liberal 
gekennzeichnet durch milde-'Strafen, wenige Insassen und so gut wie ohne Gewa 
der Sicht amexikaniscter Hlitlinge fast eine Art Befreiung«/ • ! 

Die durchschnittlichen Zahlen der Eingesperrten pro Knast liegen in Dänemark 
das größte Gefängnis, Vestre in Kopenhagen, hat nur ca. 320 Insassen, 
Dänemark liegt auch bzgl. Reformen innerhalb deS Strafwesens vorne. Die Stra 
bestimmte Zeit wurde 1973 abgeschafft. Besuche von Freundenfinden ohne Aufs 
es brauchen keine Uniformen getragen werden, die Gefangene^ dürfen sich von 
Zelle frei besuchen. In einem Versuchsgefängnis leben Mahner und Frauen auf 
Gang und machen zusammen Essen. 

Bie offizielle Philosophie der Gefängnisadmihistration scheint zu berücksich 
mit dem Einäpefren dem Individuum nicht all seine grundlegenden Menschenrech 
werden dürfen. ‘ ' t 

Dies gilt für die Gefangenen, die ihr Urteil bereits haben. Baneben aber gib 
5.000 Menschen in U-Haft (Dänemark hat laut Statistik prozentual mit die höc 
auf die all diese Reformen nicht zutreffen. Allein in Vestre sitzt 1/3 aer g 
Gefangenen in.totaler Isolation - ausnahmslos U-Häfflinge, deren "Schuld“ g| 
noch gar-nicht erwiesen ist, . 

Dieser paradox.erscheinende Unterschied in der Behandlung der Gefangenen wir 
Polizei, die die Isolation veranlaßt, lapidar mit "Verdunkelungsgefahr“ zu I 
fertigen versucht, was aber schon allein dadurch unglaubwürdig erscheint, da 
alle Ü-Häftlinge isoliert werden.. Einen Maßstab für die Auswahl scheint es ri 
es sei denn, er besteht in der reinen Willkür eines abstrakten Effektivitäts 
. der brechensaufklärung^, %ollkom^en unabhängig von der Tragwei 

.•'■.lasteten Vefgehens. • . - 

Die Isolation kann alle treffen v vom Badendleb über den Dealer bis zum Derne 
zur Änderung des Rechtssghutzgesetzes 1978 konnte die dänische Polizei auf c 
vollkommen souverän jeden ü-Gefangenen,* bei dem es ihr notwendig erschien, j 
Mijk #ef \würfe sie von dfex Entscheidung zuständiger Gerichte abhängic 
Ergebnis daß sie laut Vizepollzeidirektot^Oi^ Möggard mit dieser Änderung I 
ordentlich zu&ieden ist”. Denn der Polizei wurde in der Vergangenheit von! 
kaum ein Ersuchen abgeschlagen, im Gegenteil profitiert sie davon, die verar 
abschieben zu können. 


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rsuchen, und so weiter, solange, 
bis zu mehreren Jahren. 

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Die krste Isolationsperiode dauert 
um djie Verlängerung eines wei|^|*|| 
Untersuchungsarbeiten und die Beruf 
die Isolation über mehrere Monate, : 


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ttMMW JMJÖ* «ft«* Ostdeutschen* dfc*; : .sich .mit westdeutschen I 

■■Ft^iiärin ■ i - ; 

selbst behauptet jedoch, die Unterlagen, die seine dänische Freundin Karen Vinten für ihn 
aus dem dänischen Außenministerium schmuggelte, an westdeutsche Atomkraftgegner weiter- 
’i & der ’ ■yjtfc 1 1 ^beA,; asjj^||äjy| Vorhaben mit 

der amerikanischen Regierung über die Lagerung radioaktiven Abfalls zu verhandeln - ein 
Tatsache, die allerdings schon vor der Aktion Jörg Meyers bekannt war. Nach Meinung von 
Preben Wilhjelm (Angehöriger des Rechtsausschusses des dänischen Parlaments, Abgeordneter 
der linken VS) handelt es sich um "vollständig gleichgültige Papiere", die kaum den 
Spionagevorwurf erhärten können. "Wenn er wirklich Spion war, warum sollte er sich dann 
in linksorientiertes Milieu einschleichen? Die einzigen richtigen Spionagesachen, die wir 
in diesem Land hatten, entsprangen nicht linksorientierten Kreisen, sondern diplo¬ 
matischen und militärischen." Dennoch wurde Jörg sofort nach der Verhaftung im Nov.78 
total isoliert. Die Verhandlung fand dann - wie auch die Beweisführung - unter Ausschluß 
der Öffentlichkeit statt. Weder der DDR-Botschaftssekretär, noch Preben Wilhjelm als 
Untersuchungsbeauftragter, konnten teilnehmen - bei den Geschworenen gab es einige 
Ausschlüsse, u.a. wegen Zugehörigkeit zur KP. So ist die Aussage des Anwalts Bent Hjed, 
der bei den Verhören anwesend war, bisher nicht widerlegt, daß der dänische Geheimdienst 
im Fall Jörg Meyer offensichtlich seine Kompetenzen überschritt und gemeinsam mit dem 
Amt für Verfassungsschutz der BRD versuchte, illegalen Druck auf Jörg auszuüben. So soll 
ihm eine neue Identität in der BRD versprochen worden sein, wenn er sich und seine BRD- 
Kontakte als Ost-Spione entlarvt. Nach Berichten von POLItikken, deren Räume daraufhin 
im Oktober 79 durchsucht Wurden, Und INFORMATION war bei der Verhandlung ein westdeutscher 
Agent als Zeuge anwesend, der Jörgs Verbindungsmänner in diesem Sinne identifizeren 
sollte. "Jörgs Anwalt, Chr.Vilh. Hagenes hat erklärt, daß’im November 78, kurz nach 
Jörgs Verhaftung, PET-Chef Oie Stic Andersen und Justizministerin Natalie Lind in der 
ERD waren. Er ist davon überzeugt, daß hier um eine eventuelle Auslieferung verhandelt 
wurde." (INFORMATION,26.10.79) 

















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Wenn man Jörgs eigehe Aussa< 
interessanten Licht. Schlug 
August 1977 vor# Grönland ~ 
bunden - als europäisches;^ 
heißt es Kap.8s "Die 
~ was sich somit auch, 

URAN bezieht.. So eriau|^|gi 
- das kann aktuell wer$!fh4^ 
tion. Unter Solchen Umstand 
Solidarität# zu der au^ft 
die Solidarität ja auch den 
anderen Sachen# um .dortgt^jp 
diese Pörderräder ?)■ ■ ; %^ } i’ 
Was will die dänisch/deutfg 


Jörg Meyer ist aber 1 .nur' d%"^] 
neu auf die Tatsache der löolj 
ministeriuifts über einitn Bejia 
heißt: "Wach der Beschreibung 
treten# sollte es klar fein#: ;■ 
Es ist daher in Übereinstimmu 
als eine Form von psychischer 
Dieser Bericht ist vom Vörsit 
demokraten Oie Espersen, ange 
über die Isolation im Blick a 
bzw. Abschaffung der Isolatio 
krete Entscheidungsrichtlinie 
bereits angesprochen# 
seinen Einsatz aber von den D 
Isolation in der BRD abhängig 
Da wird dann hoffentiic.h;,;^^ 
isoliert dastehen* Er gab auf 
"Wenn Isolation Folter f is N t # b 
"Das Ziel ist die Auf'kl^^P^ 
länger isoliert zu werden. We 
sonst vorliegenden Fakten füg 
Man hebt im gleichen Moment d 
den Tisch legen" ‘ * *.* 
stimmt# so nahmen, wir 
Ich kann nicht sehen# 















AM BEISPIEL PATTY HEARST MSPM$ 




SOZIALKRITIK - TEIL 4; 



V''■./•• •'• V.' 

iÄ!# ;? 




..... . ^ipT* ' ; ; \. „« 

- ■.;•... ; :. ’ 

AUF DER SUCHE NACH TANUND MIZMOON - ODER: 

ZUR PSYCHOLOGIE DES MODERNEN KONFORMISMUS ■ 1 


ixi : : 
i 

'ürf«,.- 4? K&ti,.' A 


SOZIALKRITIK - Grundlagen und Ergebnisse 


von Stefan 


Unter der Stichwort "Sozialkritik" erscheinen in d.iesef,- Zeitschrift sieben Abhan^^^p||p 
die auch unabhängig voneinander zu verstehen sind. Nur die Thematik, die Frage 
Verhältnis von Freiheit und Gesellschaft, verbindet sie und sollte als DUktuwioi^^^^^ 
aufgefaßt werden. Da $ie Teile nicht ihrer Nummerierung nach erscheinen, hier detS|^®|llt 
der Serie: ■ ■■■',*• . 

Teil 1: Von Rousseau bis Goodman. "Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpferb kommt 
alles entartet unter den Händen des Menschen. 11 

Teil 2: Die Geschichtsphilosophie der Sozialkritik. Pazifismus, 'Widerstandspflic4§||'f|i|i^| 
"nach Auschwitz“ . • 1 

Teil 3s Nietzsche als Sozialkritiker. “Ein Treibhaus für sonderbare und ausgesuchte Pflanze 
Teil 4s Sozialkritik am Beispiel Patty Hearst. Auf der Suche nach Tania und Mizm<tep'$v%tl|S' 


lan 


\jfr, ;; & : . '• 


Oder; 2ur Psychologie des modernen Konformismus 




Teil 5: Geschichtsschreibung als Sozialkrifcik. Kontrafaktische'Bestandsaufnahme "■/;" ' " :r 1 ' 

Oders Die Dunkelheit des Mittelalters • 

Teil 6s John Ford als Sozialkritiker. "That'll be, the day" - Oders Die traurige ^ 

von'der Gemeinschaft '2V’: '•: 

•Teil 7: Zum Verhältnis von Theorie und Praxis; Ein neuer Begriff von .der "^epr 

Toleranz" 1 - 






Like a shared weapon ^ 

we offer 

give - 

refuse ytfX*?/:-” 4;. 

deny ' Kiföif'rMi ^ 

* • ' ' , our shared love. 

Mianoon-an-CMiua / 

\ ' . '.. ' 

"MORE BIZARRE, MORE FRIGHTENING, MORE THOUGHT PROVOKING THAN ANY FICTION " -<iASk 

- Ein Ereignis, welches von seinem Beginn am 4. Februar 1974 bis 2U ^ 

1975, und darüber hinaus, einer mehr als vollständigen Berichterstattung unterlag die «bi 
liehen weltpolitischen'Ereignisse aus den Schlagzeilen selbst der seriösesten * ** e u “ 
verdrängte (vgl. Bechler/West, S.66): die Entführung von Patricia (Patty) \ 

neunzehnjährige Tochter des Zeitungsverlegers Randolph Apperson Hearst, ihre &g§§£^£^v : 
Tania, eine Mitkämpferin ihrer Entführer, der Simbionese Liberation Army ; 

haf tung und Rückverwandlung - dieses Ereignis hat seinen journalistischen Ne 

• nicht sehr lange überlebt. Die mythologische'Kraft des Ereignisses jedäofch * 

formierten Blicken der Zeit entgangen. IO ''■W&&- ■■■&'&: 

\ 


I 













islllil 


Mythische Qualität verleiht dem ■ ,,zrr\ -'• 

klärt sein, daß'Patty nicht die ga« 'S|»»er Mitgliedechaft in der SU unter um 

barer Gewaltandrohung T^f‘ * ff « 

wisses Maß an' Freiwilligkeit **# »^.«änälwig'in Tania war. Das Gerichtsurteil, m 
genau dies'feststellt {20.3. 19«I, 'Än noch nicht als Beweis, angesehen werden. En 
spruch wäre Patty zu gönnen gewesen, schön allein,;um ihr die Schmach zu ersparen, ,i 
Vater freigekauft zu werden. vV;'/ 

Diese Schmach muß sie gefühlt haben, fjf*#* «ach der Urteilsverkündung fragte, "Icl 
mich, ob ich je eine Chance hatte»- . <$* Trial of P.H.,S.«04J. denn ihr mußte klar , 
daß sie angesichts des Vaters Geldes kaum lange im Gefängnis zu sein brauchte. - abe: 
fangen vom Geld des Vaters, so wie sie es vorher war als "Miss Hearst, die Tochter- 
Hearst " (Darum hatte sie ernsthaft in Erwägung gezogen. 


aber' ^ööbjcü^hi*:. mehr als die Wandlung 
o« 3 ischer Bruck. -(Familie ■ GM* , 

Iden Fällen Moderatoren; 'der •"Frei** 

f§|$ ■ Mt 

illigkeit 4ibt .Tragödie 1 'nicht?.. 


Patty© Wandlung in Tania war ;iiifÄfe^ 
von Tania in Patty — Gewalt (Geifeaa 
Presse -resp. SL^Informationenl -Wj 
willig* bedeutet in diesem 2us 
und nicht nur vorgetäuscht wurdew\||l 
vielleicht überhaupt nicht. 

Wenn es auch das M Patty/Tania-Phänpi 
der Geschichte der ISA (vglaBeichf^ 
bleibt Patty 'nicht die_einzige,.ftgpjw 
* General Field Harshall Cinqu 
&&s*wicht (Cinque) und als verfuhrt* 


4asr ^idha^ifif'' lh 

n pythologisct^^,- 

"Söya^ Soltysik' sind> als 

G Ut e (Mizmoon) Teil des "Patty/Tania- 


lythologischen Bedeutung ; di 
:nalIstisches Material# ■ Wl 
||;"|ii:eä Buch “Patty/Tani 
L^hgäh/ wie 'die "Inside 
IEED, Pattys Ex-Verlobfcer, 

kleine dei£,ii$ 


Der sx-Verlgbte^und^der^Bruder 

Spur zu kommen, brauchen wir m, 
und Don West vom "San Francisci 
auch mehr als rhetorische Selb 
Als Pfadfinder dagegen' können 
Patty Hearst* und FRED S0LT3TSX 
*In Search of a Sister" dienen 


Beiden Bichern ist gemeinsam, « 
die Illusion erwecken, sie schi 
Weeds Buch w a Gothic f able* iiai 
Während die Mischung aus 
wirkt das schlichte Eingestandi 
für den Stil, steht aber auch 1 
Verhaftung, in einer Talk-j$Ä^ 
Nicht in der Show* aber im Bud 
ist; manchmal nein# wenn ich fj 


















Lang mt aer RonjEormi^tiscten GeSeilschaft - 
f Bewegungslosem, .Fred ftettysik 'hätte ||fej 
rfragt worden - (aber Mt ihn interessierte 
i Schwester, noch liebe: "Ich konnte plötzlii 
würde." (Soltysik, S*240} Weil Fred Soltysik 
Analysen anstellt wie Weed, erkennt er die 
i führten, viel tiefer als die anderen., ä|§| 
m nehmen. "Wenigstens”, schreibt er, bevor |j 
e zu netten - "tut sie etwas. Sie lebt in e 
eingefroren. Fügsam. Tod oder doch sterbend, 
r .selbst gegenüber." (Soltysik, ;S.118| @1 

Politik oder die Taten der SLA, noch findet 
eine persönliche-? aber er merkt, daß di#» sr.j 


msform 
ler "New 


of your power at'resf. 


ä:. 






:y Ling Perry into ray somewhere garden FIELD MARShtAL CINQUE 

tisch aktive Jugendliche der Zeit (1972) hätte sich nicht nach dem Sinn "weiterer 
gt, welcher hätte nicht nach dem "Garten irgendwo" gesucht, sich einen anzulegen 
d welcher politisch Bewußte hätte nicht gezweifelt, ob persönliches Glück im be- 
n (für Mizmoon z.B. eine Europareise mit Camilla; vgl.Soltydik,S.45f) erlaubt ist, 
chen weiter leiden ("niemand ist frei, bis wir alle frei sind,” Soltysik, S,32)? 


Obwohl also nichts Verwunderliches in der Biographie von Mizmoon zu finden ist, etwas das in 
den bewaffneten Kampf treibt,'ihn.fCJd|riehtig, konsequent erscheinen ließe, heißt das nicht, 
daß Mizmoon ganz der Konformität ärthtfi^dfällen war. Zwischen dem Druck der Gesellschaft und 
dem der Subkultur versuchte sie, etwas Eigenes zu werden. So bewunderte sie, wie Carol, Freds 
Frau, ein Boot baute, "Daß Carol, eiheitfta»» die nur einige Jahre älter war als sie selbst, 
aus der kulturell vorgegebenen Rolle ä«|gebrbchen war, mußte Mizmoon beeindruckt haben. (...1 
Ich vermute, daß sie daraus die Botschaft ablas, daß individuelle Veränderung möglich ist." 
(Soltysik, S.52), - abseits, müßte ergänzt werden, der Berkeley-Subkultur, deren einheit¬ 
licher Nonkonformismus einen neuen Konformitätsdruck schuf. Keine innere Folgerichtigkeit 
führte Mizmoon zum bewaffneten Katttpli'Ä einer mythischen Figur, 


B äi? ujpBS von weißen Mittelschicht jugendlichen, 

^die.Machtlosigkeit^^ihrer Kritik), gepeinigt 

h R ^ ir0i '^ hafte ^ un ä des^ordas an 
chwarzen) Haut geschlüpft ist." (Solt.S.217) 


Cinque war der "Katalysator ,f 
verzweifelten Intellektuellen (verzwe: 
von Schuldgefühlen (daß sie wei^'4;0^P 
fesselten, indem sie ihm elnä r : ey<3|;;^fe 
ihnen seine Kraft "etwas zu tUn”# ermc 
kussionen - was sie dann tateti* .i 
nun endlich etwas. Das erste Opfer um 
inspektor Dr. Marcus Fester, wurde voi 
wurden zunächst zwei andere, 

Foster angeklagt, aber 1976 freigespre 
von Itittle und Kerairo, eine einleucht« 

■f , r \\ytf 

Rerairo haben Foster nicht errpordet.: .C 
weißen Frauen zu beweisen, daß et aus t 














• ‘Mizmoon’ Soltysik 


CAMILLA: Camilla 


Er hätte hinzufügen können: Indem Cinque das Undenkbare tat, den Anschlag auf ei 
blierten) Schwarzen durch einen Schwarzen, bewies er, daß überhaupt etwas getan 
ohne tausend Rücksichten nehmen zu müssen - etwas, aas endgültig, radikal, schoc 
revolutionär ist. Indem er sich selbst jeden Weg zurück in die Gesellschaft, sog 
der linken Subkultur abgeschnitten hat, zviang Cinque die restlichen (weißen) Mit 
SLA zur bedingungslosen Gefolgschaft? denn ihn in dieser Situation zu verlassen, 

Verrat an der 3.Welt zu begehen. Die Mechanismen der konformistischen Gesellscha 
identisch mit denen des modernen Terrorismus. 

"?^i:SS«E 2 Si£iY§-$ction ,, (Camillas Spitzname in Berkeley) - Unter der Gefolgschaft 
Field Marshall Cinque befand sich auch Camilla "Gabi” Hall. Unpolitisch, freundlich 
lustig - "happy and outgoing" {Weed, S.278) lesbisch, war sie wohl kaum von Cinque in . 
Bann gezogen. Sie liebte Mizmoon. 

Die Beziehung zwischen Camilla und Mizmoon war alles andere als einfach, "offen 
hatte Camilla an eine viel traditionellere Beziehung gedacht, als Mizmoon eingeh 
eine Beziehung, die auf Treue und Vertrauen aufgebaut ist" (Solzysik, S.61). In 
ärgerlichen Gedicht schrieb Mizmoon an Camilla (Sdfc. S.163): 
mmmmmm. why do I justify to you 
the good feelings I have 
with other people 
with a man especialiy? 

Do you think I’m 
run to a man? 

No momma - 

I ain't runnin* 
to a man - 

I don*t run to soieone 
To escape 

I go to them to grow, 
to share, to join. 

Es ist unwahrscheinlich, daß Camilla Hall, als sie schließlich Mizmoon in die S 
(nach langem Streuben übrigens), Gabi wurde, jemals (wie Mizmoon) glaubte, daß 
dem "persönlichen Kommando" von Gen. Field Marshall Cinque "wachsen" könnte. Ab 
moon sein. Und wer sich nicht vorstellen kann, an Camillas Stelle zu sein, der 
einfach nicht lieben. Das ist eine einfache, aber bestimmt nicht die unwichtigste "Moral" 
des Ereignisses. Jedenfalls die einzig POSITIVE. ' 

§p 

"Xt*s me, the way I want it tte way I see ifc." (George Jackson, zit.von Tania) - 
Vor der Entführung zeigte Patty keine Anzeichen einer Auseinandersetzung mit d^ffe) 
tät gebietenden Gesellschaft. Steven Weed und Patty "lebten ein bescheidenes h^§. 
bescheidene Liebe, die reifer schien als ihre Jahre" (Belcher/West,S.18? Patty 1 

Weed 26) oder (selbst-)kritischer, "unser Leben verlief so glatt, so plangemäß" (Weed,S.15). 
Daß Weed sozial weit unter den Hearsts steht, hatte zwar zu Konflikten mit Vatei: und Mut¬ 
ter geführt, die aber kaum dramatisch zu nennen sind (B/W.,S.47? Weed,S.26). •’ 

Dennoch tendieren die meisten Aussagen über Patty dahin, ihr Willenstärke und 
vermögen zu attestieren. Eine Klassenkameradin erinnert sich an Patty als ,r auß- 
willehsstark, draufgängerisch und kämpferisch” (B/W. S.203)? Weed beobachtete,! 
bestimmt, Einzelgänger zu sein, sich von der Masse abzusondern" (Weed,S.76) und - 
die Beziehung zwischen ihnen sei "ziemlich ihre Regie" gewesen (S.90)? Pattys 
Anne sagte, "nachdem sie 14 war, konnte man ihr nicht mehl sagen, was sie tun 
Zusammengenommen mit der Feststellung, daß Patty'trotz ihrer Flucht aus dem 
die Hoffnung ihres Vaters war (S.163), beziehungsweise gerade wegen dieser frühen Flucht, die 
Stärke und Selbstständigkeit anzeigte, auch wenn sie sich noch nicht offen ausdrückte:# ' 
zusammengenommen mit dieser Feststellung also scheint die Analyse von Pattys Wandlung in 
Tania-durch den Hearst-Angestellten Patrick Tob in - genau ins Schwarze zu 4&V:' 

lebt augenblicklich eine ungeheure persönliche Expansion, und zwar genau auf di#' Sensatio¬ 
nelle, egoistische Weise, die charakteristisch ist für die vulgäre Seite der *■ 

Größe." (S.322) Ohne daß sie es weiß, und ohne daß der Vater es merkt, erfüll ^£$4 Sein# 
Erwartungen: Kapitalisten des alten Stils weist die verwaltete Welt den Platz V 

brechers zu. • 

16 


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Dagegen war Weeds Hoffnung, "Patty würde ihe Charakterstärke, ihren 'Dickkopp',wie ihr 
Vater es nannte, gegen ihre Entführer richten" (S.341) falsch angelegt: gerade wegen ihrer 
"Charakterstärke" mußte ihr die Beziehung zu Weed aus der Erfahrung mit der SLA heraus 
erscheinen "wie eine falsche Flucht aus der Obhut ihrer Familie” CS.340). Die Welt 

der Hearsts und der Weeds ist so verschieden nicht? sie verfügen über unterschiedlich 



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^ber es g scheint überhaupt falsch, die StA in Begriffen von Wirkung nach außen, militärisch 
jder anderswie, beschreiben zu wollen. Das Foster-Attentat hatte, wie wir festgestellt 
laben, eine Bedeutung und Wirkungsricfatung Vornehmlich für die Gruppe selbst. Und in den 
Jegriffen der Bedeutung für sich selbst war die SLA durchaus effizient. Die Wandlung von 
Patty in Tania legt Zeugnis davon ab, "frotz -allem", bemerkte der.Psychologe Hacker,- "ver- 
littelt die Art von enger Zusammengeh#rigl|e|hrunter diesen Leuten ein Familiengefühl, ein 
Sefühl der Gemeinschaft und'gegens|(itif^ f ;;,ÄlE#h3e%samkfit." (B/W. 3.213) • 
j e i dem Banküberfall (IS.April 1974), an welchem Patty teilnahm, wurde beobachtet, "sie 
lewegten sich fast als seien sie ein OtgWismus - Cinque-Fahizah-Mizmoon-Gabi^Tania’’ (B/W.S.227) 
Ingesichts dessen, daß Weed berichtet, «tf habe nuf ein einziges Mal auf einer zweitägigen 
leise eine Art "warme, häusliche Atmosphfre"dbh Hearsts erlebt (S.37), und sich erinnert, 
laß Patty nie "nach Hause gehen" sagte, sondern immer nur "go back"»wenn sie ihre Eltern 
leinte (S.80) , wird es sehr wahrscheinlioli^ ^ie iii der Shh "den tiäföten Sinn von Familie 

,nd Zugehörigkeit, den sie je gekannt" erf^r^wid ei^ ^Ümpfer der Old Left versicherte (S.334) 

- ich würde ergänzen, 'die ILLUSION v<sm Zugehörigkeit* 


"Naaä_the_seyen I headed_serpent." - Die Aktivitäten der SLA sind nicht in Begriffen der mili¬ 
tärischen Effizienz zu beschreiben. In den zwei Jahren ihres Bestehens haben die 12 schwer- 
bewaffneten Mitglieder der SLA kaum 10.0Ö0, Dollar expropriiert, einen Feind hingerichtet, 
einige Passanten verletzt, aber selbst sechs Gefallene zu beklagen, während der Rest bald 
im Gefängnis war und ein Soldat desertiert ist. - Auf den Mangel an politischer Effizienz 
brauche ich wohl kaum hinzuweisen: Nach dem Attentat auf Foster war die SLA von vornherein 
vollkommen isoliert, und auch die auf Popularität angelegte Lebensmittelverteilung an Be¬ 
dürftige, die als Lösegeld von Vater Haarst verlangt wurde, konnte jene Isolierung nicht 
mehr durchbrechen. ; __ — 


große Geldsummen, nicht aber über unterschiedliche Lebensformen. - Vielmehr scheint nach 
Pattys Rückkehr ihre "Charakterstärke" gebrochen zu sein, jedenfalls lassen das ihre 
selten mehr als 4 Worte umfassenden Aussagen vor Gericht vermuten, die auch jeder andere, 
der den Fall in den Zeitungen aufmerksam' verfolgt hatte, hätte geben können, weil sie nichts 
als die Strategie des Verteidigers (F.Dee Bailey) reflektieren (vgl. The Trail of P.H., 

S. 59ff, lSlff, 240ff) . ; _ • 

Im Kontext dieser Überlegungen bekommt auch das Statement von Fred Soltysik über die Ähn¬ 
lichkeit des Wandels von Mizmoon und* Patty - "durch eine grausame Verwicklung der Ereig¬ 
nisse wurde Patricia Hearst's Schicksal unentwirrbar mit dem Mizmoons verbunden" (Seit. S.235) 
- einen bestimmten analytischen Sinn. Beide sahen sich,mehr unbewußt als bewußt, von einer 
hochstruktürierten Gesellschaft zu einem Marionettendasein verdammt und haben versucht, unter 
dem Druck der Waffen eine Gegengeseilsöhaft für sich zu schaffen. Schauen wir uns diese 
Gegengesellschaft ira Zeichen der siebenköpfigen Kobra (Naga) etwas genauer an. 











Das gilt nicht weniger für Mizmoon. Auf die Freunde, die später die SLA ausmachen, bezieht sie 
sich als 19 new family" (Solt. S.95); und Fred meint, "sie schien von der aufregenden Natur 4 
des Lebens im Zwang der Gefahr angezogen zu sein" (S.103). Dies ist zu schwach formuliert* 

Das eingangs zitierte Gedicht (Solt, S,164) setzt "shared weapon" mit "shared love" gleich: 
der Druck der Verfolgung ist ein Mittel, das Leben spürbar zu machen? aber Mizmoon fühlt 
sich nicht 'zufällig* von diesem Mittel angezogen, sondern sieht in ihm (in der augenblick¬ 
lichen gesellschaftlichen Situation) das einzig mögliche. Über das Ehepaar Harris (Yolanda 
und Teko) sagten frühere Freunde, sie seien "liebenswerte Menschen, wie geschaffen für den 
Erfolg, ein glückliches Paar, - ln der Lage -, alles zu sein und zu tun, was sie wollten" 

(B/W. S.113): Auf den Verlust von Gemeinschaft und Zugehörigkeit antworteten Mizmoon, Patty, 
die Harris*, Cinque, Menschen mit starkem Willen, der sich in der gegebenen Gesellschaft 
nicht ausdrücken konnte, aber ohne große intellektuelle Fähigkeiten ("Patty hatte eine 
Tendenz, Intellekt durch Willen zu ersetzen" Weed,S,332; Mizmoon "hatte alles hiebt durch-* 
dacht" - Soltysik, S.15I), indem sie eine eigene GEGENGESELLSCHAFT zu schaffen versuchten. 
Diese Antwort - "wenn es keine Gemeinschaft für dich gibt (...), schaffe sie dir selbst" «* 
ist sehr amerikanisch (Goodman, S.lll)? aber die moderne amerikanische Gesellschaft gibt 
dafür, wie für den Kapitalisten alten Stils, keinen Raum mehr. Insofern ist die SLA Teil 
einer konservativen Bewegung gegen die komplizierte verwaltete Gesellschaft. Weil die Mit-* 
glieder der SLA sich dessen aber nicht bewußt waren, wurden sie zur Reaktion: zum schlechten 
Abbild der Gesellschaft, die sie vermeintlich bekämpften. 

Offensichtlich war die SLA streng hierarchisch organisiert ("totally top-down" (B/W.S.86), 
ihre Einteilung in "Intelligence units" und "combat units" stellte eine Karikatur des CIA 
dar? ihre "Declaration of Revolutionary War" eine Karikatur einer nationaleii Kriegser¬ 
klärung? ihre Sprache hörte sich an "so verworren wie die Kriegsrechtfertigungen des 
früheren Ministers McNamara” (Solt.,S.115? gemeint ist der Vietnamkrieg)? von Frauenbe¬ 
freiung war auch wohl nichts mehr übrig geblieben unter dem "persönlichen Kom^atida^ dfes 
Field Marshall. Schließlich ist die identische, schwachsinnige und vollkommen unindi^ 
viduelle Sprache, in der sich die SLA-Mitglieder in der Zeit ihrer Mitglieds^l^l^^^^li® ^ 
Tania) äußerten, nur durch einen überwältigenden Konformitätsdruck zu erklär^ljbr^jiÄI^ba* 
waffnete Kampf selbst ist auch nur eine Widerspiegelung der staatlichen Gewalt 
"ich konnte nicht zwischen dem Klang der 3LA-0ewehre und dem Klang des VerniM^^ 
der Herrschenden unterscheiden" (Solt.,S.248)? und der Zynismus eines Polizisten, der nach 
der Konfrontation mit der SLA, in welcher Cinque, Mizmoon, Gabi, Gelina und Fahizah ums 
Leben kamen, kommentierte, "wir haben dem Steuerzahler 2 1/2 Millionen Dollar -Eü! einen!. v 
Prozeß gespart" (B/W.,S.288), ist durch Cinques hysterisch verkündete Todesurteile gegen 
allemöglichen "Verräter" und "Polizeispitzel" auch nicht viel unterboten worden. 

Das, was die Presse als "Gehirnwäsche" an Patty durch die SLA bezeichnet©, stelit Sich nach 
unserer Analyse als die komprimierte Form der Intergrationsmechanismen der Gesellschaft 
heraus. Die etablierte Gesellschaft und die sich etablieren wollende SLA, die Entführer und 
die Entführte werden zu ein und demselben* Daß sie sich wie Feinde gegenüberstehen, ist die 
Folge der Versteinerung der Gesellschaft, die nicht mehr offen ist für die Bewegungen ihrer 
Subjekte. h' \\\ ' 

Laßt uns, darum, versuchen zu fühlen, was Mizmoon fühlte, als sie folgendes Gedicht schrieb 

(1971): '."T . f 

Leave dusty faces 

burried in still pools }■/ . 

and bunt the sand dunes ; ■ ' - 

for a gypsy. j . ; vrV 

p.s. 

Bin wirklich schönes und liebenswertes Lied über Patty/Tania singt SAMMY WAfcKEB auf feiner 
LP "Song for Patty", die von Trikont auch in der BRD vertrieben wird. Es ist im Stil der 
besten Outlaw-Balladen gehalten und zeigt einmal mehr, daß es in den USA, im Gegensatz zur 
BRD, noch eine lebendige Volkskultur gibt. , 

LITERATUR: 

Jerry Beicher und Don West, Patty/Tania, New York 1975 (Pyramid) 

Paul Goodman, Making Do, New York 1963 (Macmillan) 

Fred Soltysik, In Search of a Sister, New York 1976 (Bantam) 

The Trial of Patty Hearst (vollständiger Abdruck aller Prozeßverhandlungen ihres ersten ' v 
Prozesses, 4.2. bis 20.3.1976), San Francisco 1976 (Great Fidelity Press) 

Steven Weed, My Search for Patty Hearst, New York 1976 (Warner) / 

18 






DIE SCHLÄCHTER 


von Jens Bj^rneboe 



Romanexzerpt aus "PULVERTURM". Das Buch erscheint dieses Jahr bei MERLIN-VERLAG,^Sierichstr.54 
Stars for you and stripes for me 


O Drai ri al im .fahr 176 


Herrgott und Jesusmaria wie soll das enden 1 

Der verdammte, stinkende, tränennasse Kater, dieser Scheißgeneral aus dem Coca-Cola-Land 
war hier und hat mich gequält, mich beim Rosenschneiden im Park.gestört und den ganzen 
fauligen Mülleimer seines amerikanischen Gewissens über mir ausgeleert! Als ob ein Mord 
nicht genausogut wäre wie der andere! Als ob eine gelbe Leiche nicht genauso vortrefflich 
stinken würde wie eine schwarze oder eine weiße, Und warum überhaupt erst töten, wenn man 
anschließend herumläuft und darüber plärrt und flennt? 

Meine Aufgabe in diesem Syphilis- und krebsverseuchten Bombenkrater von Planet besteht 
darin, schlicht und einfach und ohne Aufsehen die Kondome im Park aufzusammeln und in 
der Klapsmühle sauberzumachen, - und dann kommt dieser Acht-Stexnerldiot aus Sing-Sing, 
um wie ein Klageweib über eine Leiche zu jammern und zu heulen, die er selbst produziert 
hat, und die außerdem einfürallemal und unwiderruflich tot ist. Keinen einzigen Sou und 
keinen benutzten Kondom gebe ich für diese Sorte Mörder. 

Seinen eigenen Gesetzen zufolge - Gesetzen, die er respektiert und ehrt und bewundert - 
hätte er auf dem amerikanischen Nationalheiligtum vom elektrischen Stuhl gegrillt werden 
müssen, anstatt in einer der schönsten Landschaften Frankreichs herumzuspazieren, Forellen 
zu fischen, und auf Kosten der Steuerzahler Krebsschwänze zu fressen. Überdies verteidigt 
er als General natürlich die Todesstrafe r* zumindest im. Bezug auf andere, wenn sie das¬ 
selbe verbrochen hätten wie er. Der Gipffel.dieses moralischen Misthaufens ist, daß er 
zu allem Überfluß auch noch christlich zu werden beginnt. Er meint, der Rabbiner Josua 
sei am Kreuz auch für die Amerikaner gestorben* 


Daä ist natürlich eine offene Frage* 


Alles begann damit, daß ich mich mühte, oben Im Park die wilden Rosentriebe abzuschneiden. 
Da ich aber kein gelernter Gärtner bin - und auch sonst eigentlich nichts Anständiges 
gelernt habe, - kann ich im Garten nur die einfachsten Dinge verrichten. Ich stand also da, 
ruhig und ausgeglichen, immer noch urtfer dem Einfluß unserer pfingstlichen Reise zur 
Sonne, und auch meine Sinne waren geschärfter als üblich; die Farben leuchteten wie neu¬ 
geboren - manchmal waren sie kaum wiederzuerkennen. Außerdem war der Morgen feucht, 
taufrisch und sehr schön; das Leben erschien mit Sinn und Schönheit gefüllt. 


Als ich in meinen Weingarten hinaustrat, lag immer noch die alte Zeitunjg auf dem Tisch, 
auf die unsere Institutskatze ihr Wasser gelassen hatte. Immer noch mit dem Strauß- 
Portrait nach oben; seine Heiligkeit, Franz-Josef der Bepisste, starrte zufrieden in den 
leuchtenden gallischen Morgenhimmel, als ob er bereits ganz Frankreich aufgekaüft hätte. 

Die Zeitung war jetzt trocken wie Zunder, aber von der Katzenpisse vergilbt und zerknittert. 
Die Begegnung mit dem urin-entstellten 6Ä$#*i?« Pi«anzministers versetzte mich sogleich 



in blendende Laune 


mi vprsichti# über dm 
ÄÄfcer' -sich'für seine 


, wie immer, - still, demütig und traurig i 
daß ich ihn kaum hören konnte,. 








Existenz. Er ist ja auch ziemlich unscheinbar unä schmächtig und mager. 

Mit seinem Spazierstock wirkt er derartig zivilisiert, daß man ihn für einen Briten halten 
könnte. 

Wir tauschten einige Banalitäten über Rosen und Sonne und Wind aus, aber ich merkte deutlich, 
daß er lieber über etwas anderes reden wollte. Sein Blick war matt und flackernd.,Und wäh¬ 
rend er in die Baumkronen und in den Himmel starrte, fragte er mich unvermittelt* ob, ich ihn 
ins Dorf begleiten und mit ihm lunchen wollte. Er nannte sogar den Ort, wo er seine Mahl¬ 
zeit einzunehmen gedachte: "Le Soleil Rouge", ein Restaurant, das tatsächlich eine der denk¬ 
bar besten Küchen in diesem Teil der Welt zu bieten hat. Das kleine Dorf ist'Überhaupt 
durchaus angenehm, und ich empfand seit je eine pathologische Vorliebe für gutes Es'äein* Und I 
in diesem Palle hätte zudem das Pentagon die Kosten für den Lunch bestritten* i 

ich bedankte mich also, und wir machten uns auf den Weg ins Dorf. 

Während unseres Marsches schenkte ich unserer Unterhaltung keinerlei Beachtung. Sie war zet- ; 
streut und zusammenhanglos, - wie man sich eben zu unterhalten pflegt, also 
Gespräch mit unwiderruflichen Folgen; es wurden keine Wahrheiten gesagt, 

zwischen zwei Menschen endgültig unerträglich machen würden. Weih, wir redete^rttf. Chiffon,, 
wie man hier sagt. Hur Wörter. ^ V • i 

Ich selbst war wieder einmal von der Landschaft um mich herum gefangen, von fliehen* V ; 

leicht wallenden Linien, den Farben, den Blumen und dem Dunstschleier, der in dfef ;Loft 
lag und die Ferne in ein diesiges Blau tauchte und mit einem milden Silberglanz überzog. 

Und wieder traf mich die traurige Feststellung wie ein Blitz, daß wir einen Fläneteh von 
unwahrscheinlicher Schönheit bewohnen, - und daß wir dieses Paradies in eine Schlachterei* 
in ein Leichenhaus, in eine allesumfassende Chloroform- und benzolstinkende La Morgue 
verwandelt hatten, anstatt, wie die Institutskatze, auf den Finanzminister zü Riesen, zu 
singen, Wein zu trinken, das Sonnensystem zu preisen, zu spielen, uns miteinander m 
paaren, Schauspiele zu schreiben und zu den Sternen zu beten. 

Als wir uns in dem schönen, sehr alten Gasthof "Le Soleil Rouge" zu Tisch sahztÄ* fiel, 
mir die Erregung und die Verzweiflung meines Generals auf. Flackernden Blicks. bestellte: 
er einen trockenen Martini nach dem anderen. Plötzlich erkannte ich ihn, sah ihn, wie 1 
er wirklich war, nicht welchen Anschein er sich gab. Ich sah den schmalen mmß* die * 
leicht abstehenden Ohren, den ausrasierten Hacken und den blödsinnig kurzgeOb||bitteneii 
Hinterkopf, - aber ich sah noch mehr: die dürren Hände, ein mageres, sehniges handge** : 
lenk, das unter derti goldenen Uhrarmband behaart war wie bei einem Tier. Ich ittreh^chante ! 
dieses ruhige, höfliche, demütige Wesen und wußte, daß er nichts als ein gewöhnlicher i 

Henker, ein Rohling von bezahltem Landsknecht war. 

Schließlich begann er zu weinen, das heißt, zunächst trat nur ein wenig Flüssigkeit wie 
Tau in seine blauen, wässrigen Augen* Und dann redete er von seinem lächerlichen* 
elenden kleinen Mord* 

Er erzählte von dem farbigen Mädchen, das bei ihm und seiner Familie als BlüiStmidchen 
arbeitete, nachdem er aus dem Krieg in Ostasien zurückgekehrt war, und von der Macht, 
die sie beide allein im Haus verbracht hatten, während seine gesunde, normale, aiöeti~ 
kanische Frau und seine ebenso gesunden, normalen, amerikanischen Kinder zu Verwandten 
nach Dakota - oder wie zum Teufel das dort unten heißen mag - verreist gewesen Seien. 

Und als das Mahagonymädchen es nicht mit ihm treiben wollte, hätte er Gewalt an ihr 
ausgeübt, - weil er es nun einmal von Ostasiert her gewohnt war zu tun, was wollte - 
und ihr schließlich den Slip heruntergerissen, und endlich hätte er sie auch dazu ge¬ 
bracht, ruhig zu liegen* indem er ihre Handgelenke verdrehte, und als es ihfc endlich 
gelungen war, in sie einzudringen, wäre sie völlig hysterisch und verrückt geworden 
und hätte schreiend versucht, die Nachbarn und die Polizei zu rufen, und plötzlich 
war sie tot und hätte ihre Exkremente abgelassen, als er nur versuchte, sie am Schreien 
zu hindern, und wohin zum Teufel sollte er mit der Leiche* - nachdem er virsteht hatte* 
sie zu zerstückeln, hatte er mittendrin aufgehört und schließlich selbst Mebt mehr ge^ 

20 . \ - ; ;• . 









i 


wußt, was er tat, als er die Überreste der Dame unter Säcken im Keller versteckte, 0nd 
dann weiter, daß er während der folgenden Tage nicht die Kraft zu handeln aufbrachte und 
statt die Leichenteile fortzuschaffen, hur nutzlos im Garten herumlief. Dann begann es 
zu riechen, und die Polizei stellte Untersuchungen an, und er war nicht imstande, irgend¬ 
etwas zu sagen. Und was würden die Leute über ihn und den Generaistab denken*** 

Und er hing da und redete und redete und weinte aufs Tischtuch und verdarb mir die ganze 
Mahlzeit, die Froschschenkel, den elsässischen Wein und den Käse. 

Einige Zeit - während der hors d*Oeuvres - hatte ich Mitleid und versuchte, ihn zu trösten. 

Ich meinte, im Grunde genommen sei dieser Todesfall völlig belanglos* Besonders im Vergleich 
zu den vielen Menschen, die Stunde für Stunde und Tag für Tag getötet würden, sei es kaum 
der Rede wert und sogar eine Bagatelle im Hinblick auf die gesamte Weltgeschichte. Und über¬ 
dies, fügte ich hinzu, überdies sei er ja selbst als Militär in Ostasien jahrelang daran 
beteiligt gewesen, mittels hochentwickelter Waffensysteme Hekatomben von Frauen und Kindern 
zu verbrennen* Aber davon wollte er nichts wissen* Er jammerte und heulte und sagte, wir 
redeten von verschiedenen Dingen. Ich widersprach ihm, es sei schon immer so gewesen, und 
Sonnenzeichen sprächen dafür, daß sich in den nächsten Jahrtausenden nichts ändern würde, 
vorausgesetzt, es gelänge in naher Zukunft nicht alles Leben auszurotten, um die Erde end¬ 
gültig in einen schweigsamen, herrlich toten Mond zu verwandeln, der dann in alle Ewig¬ 
keit seine Reise im Weltraum fortsetzen würde* Ein Sexualmord mehr oder weniger*.. 

Zwischen Anfällen von Schluchzen stammelte er, er meinte etwas ganz anderes, und ich ver¬ 
stände ihn überhaupt nicht. Und als ich ihn bat, sich Klarer auszudrücken, glotzte er 
mich mit triefenden Augen durch seine goldgeränderte Brille an und sagte: 

«Aber begreifen Sie doch, was es bedeutet, wenn ans Tageslicht kommt, daß ich - bedenken 
Sie meine Position in der Luftwaffel diß ich intimen Verkehr mit einer Negerin ge¬ 
habt habe!" : . •- 

Es ist also nicht ans Tageslicht gekommen, und die Ehre des Staates ist weiterhin unbe¬ 
fleckt. Während unseres Essens schlug seihe Stimmung mehrmals völlig um, obwohl die 
Tränen fortwährend flössen, und obwöhl e*; sich nach Texas und seinem Golfplatz und dem 
gemütlichen Bridgeclub sehnte. 

Seine Schluchzerei nahm kein Ende und die Tränen tropften weiter auf die Tischdecke, und 
er trank Eiswasser zum Essen und zerstörte mein schwelgendes Genießen. Ich wünschte, die 
Katze triebe dasselbe mit ihm wie mit dem Bildnis von Franz-Josef dem Mächtigen. 

• ■ "... v . : ".. ;. • ■ - • •/ ; . ■ 

Sein beschissenes Geschwätz über die liebe Frau zu Hause und die Off izieirsJcameraden und 
seinen-Garten und das Pensionsalter und sein bandhaus mußte ich über mich ergehen 
lassen, während die Sonne zum Feuerball wurde und ihre goldene, wunderbare Bahn durch 
den Himmel zog. v 





/Ihoy^is+isdie MhnAux 


in 


t er. 3ros<J\A.«”an 




J>jahUcks4-<f. Al 








Di© neuere Entwicklung der Alternativbewegung sollte auch uns Anarchisten zu Überlegungen 
veranlassen, ob unser bisheriges Verhalten richtig war und ob neue Situationen andere Verhal¬ 
tensweisen notwendig machen. Dadurch, daß die Grünen durch zunehmende Wahleifolge' und Aktivi¬ 
tät verstärkt in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken, besteht eine gesteigerte Hell¬ 
hörigkeit und Aufnahmebereitschaft für neue Denk- und Handlungsanstöße, wie sie in der Ge¬ 
schichte der BRD nie zuvor vorhanden war. Es wäre törrieht, wenn wir mit uns ©ihn-/ traditi¬ 
onel len und wenig einfallsreichen Wahlboykottaufrufen gutwillige Menschen unnötig; Vor den 
Kopf stoßen würden, obwohl4sie unseren freiheitlichen Ideen näher stehen als ^cnst ir- 
gendjemand. ~ ;• 



HyptirKin 


Die Mangel solcher Aufrufe treten heute recht massiv zutage. Die Basisbewegung und viele am 
Ort arbeitende-Grüne haben sich konkreten Problemen zugewandt. Sie haben von: V 

gehaltenen Versprechungen der Parteipolitiker genug, und wollen endlich für sich selber er-!,. ; 
fahrbar Veränderungen erreichen . ■. v V, : . : ; ,S 

Anarchisten, denen ja eigendlich der Blick für die Unzulänglichkeiten einer ;Päpief'T*ppl,i' ; tiiE: ’ 
geschärft sein müsste, sollten allein beim * Medium Flugblatt {auf dem die ^ 

kotts ja meistens transportiert wird) die ersten Zweifel kommen. Gerade ihne^||ö|lte'die von 
Bern! Kelb schon 1973 in seinem Buch '“Organisieren oder organisiert werden“ fin- 

sicht, daß eine Organisation, der die lebendige Beziehung zu einer Basisbew^fÄ^;""ffehlfdies 
durch einen besonderen Aufwand an Papier wettzumachen versucht, nicht allzu fremd sein. 

Wir sollten uns einmal überlegen, wie so ein Wahlboykottaufruf wirkt, 
haben könnte und welche Leute Ihn bekommen. Wenn also auf einer Juso- oder G;j^^ 

■oder bei einem infostand unsere Flugblätter verteilt werden, so erreichen wi&-. . 

Leute, denen 'bestimmte Probleme in einem speziellen Bereich unter den Nägeln; • 

jetzt nach Möglichkeiten suchen, ihrem Anliegen mehr Geltung zu verschaffen'. r ' 
können wir mit unseren Wahlboykottaufrufen diesen Leuten dienen? - Mit abstfpkt^^ 
meinen Befrachtungen über das parlamentarische Wahlsystem, die nicht so 

vollziehbar sind. Dadurch, daß die Wahlboykottaufrufe nicht auf eine konkret faßbare prak- 


rl«ff*r*., 

■Du . ' 

PÄÄ! 4ecii'*u' 'W 

lillülüiIfiiBl I gsgtt 

i: nicht erzwinge« «.örM'z, 

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pÄIIÄiÄfWii^liSlsÄif 
i SS « m « ; 

! '-ni'■: 4|:i ; s: ; gß st; : riwr:.:; : '3*f«!' 

r^öc-hen will1 trnmef- . 

tSS-ii »snerrt Himmel. 


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:p'- - I 


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tische Betätigung hinwirken* befinden sie sich im Grunde auf der gleichen Ebene# wie $ahl- 
Programme: Anarchisten als selbsternannte Stellwrtretelr der Basis- und Bürgerinitiativen* 

Der Aufruf# seine Interessen doch selber in die Hand zu nehmen anstatt wählen zu gehen# ist 
nur noch ein Appell, ein hilfloses darüber hinwegtäuschen, daß wir nicht in der l,age sind, 
der Basisbewegung im Rahmen ihrer speziellen Aufgaben wirkliche Impulse zu geben. Und wenn 
wir dann den linken und grünen Stellvertretern den Vorwurf machen, sie würden sich von den 
linken und grünen Stellvertretern den Verwarf 'machen, sie würden sich von der Basisbewegung 
entfernen und viel zu viel Zeit für den Parlamentarismus-Kram verplempern, so werden aveh wir 
unglaubwürdig. Wir handeln. - mit anderer ^ieiwreteUung ( freilich - genauso wie sie: wir ent¬ 
ziehen der Basisbewegung unsere praktischen Fähigkeiten, indem wir viel Zeit und Energie für 
den (allgemeingehaltenen Kampf gegen den ) Parlamentarismus opfern. 

Ein Ausweg aus dieser Misere könnte gefunden werden, wenn wir auf traditionalistische Anwand¬ 
lungen bestimmter Art bewußt verzichten, um unsere Kritik am parlamentarischen Vertretungs¬ 
system da anzubringen, wo sie im Rahmen einer speziellen Auseinandersetzung für jeden Betei¬ 
ligten einsichtig sein kann* 

Zweifellos ist es bequemer, Erklärungen aibajfeben nach dem Motto ”t>ie Welt aus unserer Sicht" 
wie es die Kollegen von der FAü -Hamburg In der Broschüre Hamburger Autonomer Gruppen gemacht 
haben, um dann darauf zu hoffen, daß dar Gruppe von Zeit zu Zeit ein Bekehrter mehr zugeführt 
wird. Die Art, mit ein paar billigen Agitationsphrasen solch wichtige Probleme wie die Form 
unserer politischen Arbeit anzugehen, hat anscheinend in Deutschland Tradition - auch unter 
den Anarchisten. 1947 hat Rudolf Rocker in seiner Broschüre *... Oie Möglichkeit einer an¬ 
archistischen und syndikalistischen Bewegung" die haarsträubende Unfähigkeit der Anarchi¬ 
sten, ihre Arbeit den Erfordernissen dar 'häutigen Begebenheiten anzupassen, treffend be¬ 
schrieben: "Wir machten eben aus der Not eine Tagend, und da wir praktisch nicht fähig waren, 
unserem sozialen Dasein neue Möglichkeiten zu erschließen, so suchten wir unsere Zuflucht 
in verstiegensten Theorien und glaubten .-absolut« Wahrheiten'gefunden zu haben, während wir 
in Wirklichkeit immer tiefer in ein 0feÄ#i»h «fc* Irf«ingen und Wirrungen hineingerieten, aus 
dem ein Ausweg schwer zu finden war,"' [mim *.«ebiibh er: "Denn Theorien helfen uns Wer nicht 
weiter; sie haben eigentlich n*r-**•**'*•*!»'*«**»* teinto» Ausdruck fanden 
und die Menschen nicht zur unmittelbaren praktischen Betätigunganregen'konnten. 

Dm zu dokumentieren, daß Anarchisten:s#»^ ; : ÄI' r tn'der Lage sind, sich an einer Umgestaltung 
der Gesellschaft praktisch zu ; »i« ««• di« spanische Revolutions¬ 

zeit. Das Buch »Das libertäre Spanien:?' : \GäS*<m:tsval beschreibt bis ins Kleinste die Ver¬ 
änderungen in den Lebens- und , «*•* Menschen damals und wird als be¬ 

eindruckendes Beispiel gerne für unsere «^löbten In Anspruch genommen. Wer das Buch genau , 
liest, merkt sehr bald, daß vor Ort''I«r#»*||i|#*#ii'«nd Dörfern nicht, nur von uns als typisch 
angesehene "Revolutionshandlungen" sfat#|#e»r sohdern auch sehr grundlegende und wichtige , 
Sachprobleme auf der Tagesordnung Stands«: # «bßWn Wasserleitungen zur Versorgung der Bevöl¬ 
kerung gelegt werdSn, da gingen die Ge^SSen fB f Äe fandwirtschaf^schule, um ihre Kenntnisse 
der heimatlichen Gemeinde zur Verfügung zU StSllsii; usw. Dm die anstehenden Aufgaben losen zu 
können, haben die Anarchisten mit den anderen'Gruppen und Parteien msamroengearbeitet. Der 
Erfolg der Anarchisten damals war unteriabdetSffi auch darin begründet, daß jeder durch seine 
langjährige Tätigkeit im Beruf oder «ufgrbhd seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ge¬ 
meinschaft im Stadtteil einen Überblick über die lokalen Probleme hatte und von den anderen 
Menschen als kompetent angesehen wurde. Obwohl die Meinungen in weltansclfaulichenuund über¬ 
regionalen Fragen teilweise weit auseinandergingen, konnte jedoch im lokalen Bereich Schritt 
für Schritt Übereinstimmung über die notwendigen Aufgaben erzielt werden. 

Auch Rudolf Rocker hat den deutschen Anarchisten nach dem Zweiten Weltkrieg nur . " _ 

mit der Arbeit in der untersten räumlichen KInheit zu beginnen: ln der Gemein e 
Einwohner mit auch nur durchschnittlichen Ghistesgaben i-tande, alle^.beiten ubersehen u 
können und sich darüber ein eigenes' dem zentralen Vertretungssystem 

d P r heutiaen Nationalstaaten den meisten ganz unmogxxou * , , : : 

verwickelt sind, daß sie den breiten 


iw -T ‘ i. ■v.' V ■ ;• v ? 

t Schichten der Bevölkerung unverständlich 







/ ' - ' : . ' ■ y i 







... Durch unsere positive Mitarbeit helfen wir nicht bloß dem neuen Aufbau, vori dem unser 
Schicksal gleichermaßen abhängt, wir erwerben uns damit auch das Recht, gehört zu werden 
und unsere Ansichten zur Geltung zu bringen. ... Nach meiner Überzeugung kann das am besten 
geschehen, wenn unsere Genossen an den administrativen Arbeiten der Gemeinden vollen Anteil 
nehmen und versuchen, die Gedankengänge eines freiheitlichen und föderativen Sozialismus 
praktisch zur Geltung zu bringen, so weit dies unter den jeweiligen örtlichen Verhältnissen 
immer möglich ist. ... Dazu gehört ni^ht nur guter Wille, sondern auch technisches Können, 
das nur aus den praktischen Erfahrungen des Lebens gewonnen werden kann. Gerade dieser Seite 
der Frage sollten wir heute unsere ganze Aufmerksamkeit zuwenden." - , 

Wir Anarchisten sollten uns bemühen, anderen Menschen so konkret und greifbar wie irgendwie 
möglich unsere Alternativen aufzuzeigen. Erst in der praktischen Betätigung zeigt sich, wie 
lebensfähig eine Bewegung ist. Durch die verstärkt ins Bewußtsein gerückte amweitkrise erwar¬ 
ten viele Menschen Anregungen, wo und auf welche Art und Weise jeder mit dem Ha-hÖelß beginnen 
kann: . 

Wie kann der nachträgliche Einbau energiesparender Techniken in öffentlichen Gebäuden durch¬ 
gesetzt werden? Wie kann in Bauplanungsverfahren der Gemeinden eingegriffen werden, uni eine 
umweit- und menschengerechte Lösung durchzusetzen? Wie kann den Behörden Widerstand entgegen¬ 
gesetzt werden, wenn sie Windmühlen wegen angeblicher Beeinträchtigung des Landschaftsbildes 
verbieten wollen? Was für Aktivitäten sind notwendig, um eine große Mülldeponie in der Nähe 
einer sowieso schön benachteiligten Arbeitersiedlung zu verhindern? Wie können all diese zu 
speziellen Problemen arbeitenden Gruppen mit Gruppen gleicher Aufgabenstellung am besten Zu¬ 
sammenarbeiten? In welcher /Form können die Gruppen mit unterschiedlichen Aufga3b|h^ebieten im 
lokalen Bereich gemeinsam^ Zusammenarbeitsformen finden? - Wenn ich mir die 
der Anarchisten in den letzten Jahren ansehe, so finde ich zu diesen Fragen herzlich wenig 
Beiträge. Dabei könnte durch eine verstärkte Beschäftigung mit diesen Fragen sSÄ Ääqke ge¬ 
schlagen werden zwischen den eher abstrakt-politisch ausgerichteten Anarchist^;^i^:i^:,ii|^ 
unpolitischen Alternativlern, die um die reale Ausgestaltung ihrer Utopie bemüht sind* Beide 
Gruppen könnten sich durch die Wechselwirkung von politischer Auseinandersetzung mit denjn- 
stitutionen einerseits und dem Aufbau alternativer Einrichtungen andererseits bestens in der 
Kommunalpolitik ergänzen. Weil im kommunalen Bereich die Probleme leichter zu überblicken 
sind, ist hier die Aussicht größer, daß sich unsere Aktivitäten in direkter Verbundenheit mit 
der Bevölkerung entwickeln. Da sich die Menschen mit ihrer unmittelbaren Umgebung stetig 
auseinandersetzen müssen, weil sie dort wohnen und arbeiten, nimmt auch unsere Arbeit in 
diesem Bereich dauerhaften Charakter an. 

Die Bestrebungen in den Gemeinden nach mehr Selbständigkeit sind von den Herrschenden schon 
immer argwöhnisch beobachtet worden. Über die Gemeinden im Mittelalter schreibt ' €OÜh -Ward in* 
"Anarchismus in Aktion": "Daß die Gemeinden, die communitates, zur Zielscheibe für die An¬ 
griffe des 'Establishments* wurden, ist nicht schwer zu begreifen. In einigen fältln wurde 
das Wort 'Kommune' sogar als Schimpfwort gebraucht ... Unter dem Gesichtspunkt der Autono¬ 
mie ist verständlich, warum und wie die Städte Allianzen - auch conjurationes — 

eingingen oder sich mit anderen Städten verbündeten. Die populistische Gesinnung der Städte 
tendierte vermutlich dazu, einen gewissen revolutionären Geist wachzuhalten, der gegen die 
Hüter der Obrigkeit, gegen Autorität schlechthin gerichtet war." 

Auch in der neueren Geschichte der BSD paßten eigenständige Gemeinden nicht it das Konzept 
eines auf Machtkonzentration ausgerichteten Staates. Infolgedessen wurden zwischen 1965 und 
1978 durch die Gebietsreform" 16.000 selbständige Gemeinden aufgelöst und größeren Einheiten 
zugeordnet. Um uns auf lokaler Ebene einen möglichst großen Handlungsspielraum zur Durchset¬ 
zung von Alternativen zu schaffen, ist es notwendig, daß wir uns für die Erhaltung uhd Auswei¬ 
tung kommunaler Rechte einsetzen: 


f <g|tOT2&£H VeRtA^. 

Ob. Weibermarktstr. 3, 741o Reutlingen 


- WOZU NOCH IN DIE PARLAMENTE ? - 

Texte von Dr. R, Friedeberg + R, Rocker 
j Beitrag zu den Bunten und Örineti Liste# 

§11 \\ j 


24 











" - Rückgangigmachung <3er 'Gebietsreform*, 

- Stop der Zentralisierung der kommunalen Selbsfever--- 

I YfO v § /Wf A'N». Beendigung der' Finanzaustrocknung der Kommunen 

1 ll ~ und vergrößerte rechtliche Handhabungen der Kommunen 

Mj gegenüber Privatinteressen (z.B> an Gründend Boden) 

|m Interesse der Allgemeinheit vbrzugehen* ” 

1 ' Jf (Hans Jürgen Degen im Vorwort zu dem Buch Helmut Rüdi- 

. \ gers, "Föderalismus").. 

i . .um i ,, ■ 

Die Grünen konnten nur da überragenden Zulauf für ihre Organisation und bei den Wahlen ver¬ 
zeichnen, wo die Basisinitiativen durch längerfristige Aufklärungsarbeit und direkte Aktzonen 
in der übrigen Bevölkerung ein Problembewußtsein geweckt hatten. Ob jetzt ein einmaliger 
Wahlakt, bei dem die Verantwortung einem grünen Stellvertreter übertragen wird, die Losung 
aller Probleme bewirkt, ist mehr als fraglich.. Die Grünen lassen sich in.die Gemeiadeparla- 
mente und in die Ausschüsse hineinwählen. Hierbei bleiben diese Institutionen wie sie sind. 

Da die Mehrzahl der neugegründeten Kreisverbände der Grünen noch keinerlei Erfahrungen mit 
außerparlamentarischen mobilisierenden Aktivitäten haben und diese teilweise sogar ablehnen, 
ist es unwahrscheinlich, daß die grünen Stellvertreter ausgerechnet von einer Institution aus 
zu einer eigenständigen Interessenwahrnehmung dar Manschen beitragen können. Colin Ward 
schreibt in "Anarchismus und Aktion": "Paradox erscheinen hier aie gewohnte Gleichgültig¬ 
keit und niedrige Beteiligung an den Kommunalwahlen auf der einen Seite und weitverbreite¬ 
tes Interesse und onterstützung für eine spontan gabiidete Gemeindearbeitgruppe, die der 
Auseinandersetzung mit den lokalen Behörden vläl Zelt widmet, auf der anderen. Von' einem an¬ 
archistischen Standpunkt aus gesehen, ist das nicht verwunderlich . Der Gemeinderat - fest- 
celegt auf parteipolitische Richtlinien, öltae ; direkt» Bezug zum Wohnbezirk und von berufs¬ 
mäßigen Amtsschimmeireitern dominiert, die, wie Chris Holmes gesagt hat, die Maschinerie in 
einer Weise bedienen, die jede lokal#' • Äl*iÄ$va hur Pruchtlosigkeit verdammt - ist der Ab¬ 
kömmling patriarchalischen Landjunkertums »S dem19. Jahrhundert." ' 

Da natürlich nicht alle Mitglieder der Grünen sich zur Wahl stellen, und einige unter ihnen 
in erster Linie an den Sachproblemen inteteSSie» sind, ist es selbstverständlich, daß wir 
bestrebt sind, so oft es geht mit ihnen zusammen etwas Praktisches zustandezubringen. Wir 
sollten ihnen dabei klarmachen: Wenn wir et» ökologisch ausgerichtete, selbstveEwaltete Ge¬ 
sellschaf t wollen, muß der Einfluß des ätääteJ zurückgedrängt werden. Dieses Ziel können 
wir nicht erreichen, wenn wir uns in die''staatlich» Organe hineinwählen lassen, wir sollten 
vielmehr alles tun, um die staatlichen 1» sinnvollere umzuwandeln. Denn 

-jeder Mensch hat eine Vielzahl von besondere» Interessen, die nur in kleinen speziellen 
Einheiten berücksichtigt werden können.'Bjta',*•»* •«*»* ***** zufälliger Haufen von Men- 
sc»n wie er bei eine! Wahl vorzufinden Ist, kann nicht durch einen Abgeordneten vertreten 
werden weil die Wählenden in verschiedenen gesellschaftlichen Einheiten leben: z.B. in einer 

ZI ” . ™. i» .i«» «■« *" “ •**“£- 

«Z«i»äl,.. Handeln der Bürger gen«.« .1. ein« «rtrntn», üür «e.Ie »nd **««- 

te^geeellechaftlLcb „utnbrlng.nde 仫ä. be^e« ^gliob. »eil der t**mUf* *wimU***i*>* 
Charakter der Aufgaben stärker hervortritt und dadurch die parteipolitischen Machtinteressen 
in den Hintergrund gedrängt »erden. Hel die.» «rind«t.n »ertretunge^s,».. da» Hat- 

sprechung am ehesten in den Strukturen und der Arbeitsweise der Bürgerinitiativen findet, 
gibt die Einzelperson so viele Stimmen an verschiedene Vertretungssysteme ; ab, wie sie Inter- 

essen »hat. 

Diese zuletztgenannten Vorschläge hat der deutsch-schwedische Anarchist ifelmut ««iger in 
seinem im Ahde-Verlag erschienenen Buch »SOzialiÄte und Parlamentarismus" gemacht.. *n«er- 
halb der anarchistischen Bewegung wurden »**»**•**••*»«« besonders in der schwedischen, 
syndikalistischen Gewerkschaft SverigSS AfehetareS'^ttalorganisatiön. ^fSAC) starker berück¬ 
sichtigt, Das- Ziel der SAG .ist’ein 'fÖdsral&feiSö^h'iSiSäteMänweseti:, in dem aufch Gewerkschaften 

eine entscheidende Rolle spielen, ;rrlh*klig. 

der freiheitlichen Kommunalbewegung, Sieht «eiche die Organe 

ersetzen könnte. "Diese Organisation nimmt mit tei^»» Kandidaten an den Kommunalwahlen t , 

aber nur an diesen (und nur in gewissen tnägt dentllc» 

ZI freiheitlichen Sozialismus- ^ ^ . - 















größten Teil aus Mitgliedern der SAC. Sie hat ihre größten Mandatsgewinne in den Waldgebie¬ 
ten des Landes erzielt, wo die syndikalistischen Waldarbeiter eine starke gewerkschaftliche 
Stellung halten* FK wurde zum Teil auch deswegen gebildet, weil man verhindern wollte# daß 
Sozialdemokraten und Kommunisten {beide zusammen die Vertreter der zentralistischen LO-Ge- 
werkschaften) die gewerkschaftlichen Positionen der SAC an solchen Orten untergraben, wo 
der Syndikalismus stark ist. Prinzipiell tritt FK für eine Erweiterung der kommunalen Selbst¬ 
verwaltungsrechte ein (die allerdings in Schweden ohnehin viel mehr ausgebaut sind als in 
den kontinentalen europäischen Ländern) ... Der größte Teil der Mitglieder der SAC sieht 
diese Kommunalbewegung mit Sympathie, aber es besteht kein direkter organisatorischer Zu¬ 
sammenhang." (aus: Evert Arvidsson, "Der freiheitliche Syndikalismus im Wohlfabrissfcaafc", 
1960). 

Das Beispiel der SAC zeigt, daß es interessante und erfolgversprechende Ansätze basisorien¬ 
tierter Gemeindearbeit auch von Anarchisten gibt. Leider werden diese neueren Erfahrungen 
viel zu wenig auf gearbeitet, um sie in der Auseinandersetzung * mit den Grünen irt •■differenzier-, 
ter Weise anzuwenden. Stattdessen drücken wir uns mit einer von der heutigen Zeit längst 
überholten Gedankenwelt vor den zugegebenermaßen hohen Anforderungen, die die Wirklichkeit 
an uns stellt. Die theoretischen Betrachtungen in unseren vielen Büchern klingen alle sehr 
durchdacht, aber wir vergessen oft, "daß eine soziale Lehre so beschaffen sein 'und so vor¬ 
getragen werden muß, daß sie Anhänger sammeln kann.” (aus: E. Arvidsson, "Der freiheitliche 
Syndikalismus t- v-fv. ;/■■■’. ■ . ■* < 

Deswegen dürfen wir unserer .Arbeit für einen freiheitlichen Sozialismus keine zu beengenden 
Grenzen ziehen, sondern müssen danach streben, stetig neue Wirkungsfelder für unsere Ideen 
zü erschließen. Das heißt für'uns Anarchisten: "Wicht der Buchstabe, sondern 
lebendig gehalten werden." (aus: Helmut Rüdiger, "Sozialismus und Parlamentarismus"). 



SCHATTEN LIEGEN AUF BIG MOUNTAIN 

von Winona La Duke ■ (MM) 


Es benötigt schon die Nachtarbeit einiger Dine-Männer, um wenigstens eine halbe Meile 
rungszaun in der Joint Ose Area niederzureißen. Die Bundesregierung nennt das Gebiet Nord- > 
ost Arizona, aber die Dine nennen es Big Mountain Dine Nation. Ihr Hauptanliegen: dort zu 
leben l 

"Umsiedlung" ist der Name füj: das Spiel, das mit ungefähr 6.000 Dine (Navajo) und 500 Mogul 
(Hopi) getrieben wird, die in der Joint Use Area leben. Verursacht wird die Umsiedlung 
dieser Menschen von dem Bundesgesetz 93-531? angekündigt als "endgültige Lösung" für den 
"Hopi-Navajo-Gebietsstrei.t", konzentriert es sich auf die Joint Use Area. Was überregional 
als "Stammesstreitigkeit" publiziert wurde, ist in Wirklichkeit ein Bestandteil der nationalen 
Energiepolitik, der Energiebehörde und das Betreiben der in Utah stationierten Peabody Goal 
Company. 

Der beste Weg sich den Hopi-Navajo-Gebietsstreit zu erklären, ist, sich die Figuren der 
Hopi-und Navajo-Stammesräte anzuschauen. Der Navajo Stammesrat wurde 1923 gebildet, als 
die Standard Oil Company in die Notlage geriet, gesetzliche Vertragspartner zu finden, ‘um 
das ölreiche Land des 4-Länder-Ecks zu pachten. Dem Bureau of Indian Affairs (BIA) gelang 
es, fünf Männer zu finden, die ein Stück Papier unterschrieben. Diese fünf Dine entdeckten 
später, daß sie einen Pachtvertrag unterzeichnet hatten und wurden nachträglich darüber 
informiert, daß sie nun der Navajo Staiftmesrat geworden waren. 

Durch ein etwas gesetzlicheres Vorgehen unternahm es das BIA, den Hopi-staramesrat zu bilden. 
1934 verabschiedete der Kongreß die Indian Reorganization Act (IRA oder Wheeler Howard Act). 
Die IRA initiierte die Bildung von neuen Verwaltungskörpern in den Reservationen .(da die 
traditionellen Führungen selten mit der US-Politik übereinstimmten), und bewilligte Millionen 
von Dollars, um die Stämme zur "Reorganisation" zu veranlassen. Die Moquis weigerten sich 













zwei Jahre erfolgreich, dann, 1936, erreichte der Hopi-verbxndungsorrizier zum 01 a, u. 
La Farge, daß ein TRA-Referendum für die Reservation festgesetzt würde. Die tradition. 
Führer (Kikmongwis) und ihre Gefolgsleute boykottierten die Abstimmung. 33% der Bevöl! 
wurden an die Urnen geführt, und 21% stimmten für einen Hopi-Stammesrat. 

1940 war sogar Oliver La Farge über den neuen Hopi-Stammesrat entsetzt und nannte ihn 
ungesetzliche Organisation", die vom Superintendenten des BIA zusammengerufen wurde, ' 
seinem Hillen als verlängerter Arm zu dienen.” 


die auf allen Reservaten eingesetzt wurden, liefen die Dinge 
.att. Wenn die USA öl wollte, versprachen sie Reichtümer, 
ssräte (die alle auf staatlichen Lohnlisten standen), und 
die Papiere. Wenn die USA Schafe benötigte, halfen die 
.ehbestandsverminderung-Programmen in den Reservaten) 

■ungswissenschaftler als "Ausgrasen“ bezeiehneten, enthielt 
zur Viehbestandsverminderung. Der Nava jo-Stammesrat wurde 
;ungen von 1934 überljreffend, schlachtete er 150.000 Ziegen 
setzte sich bis 1952. fort, bis den Leuten weniger als 36% 

>30 verblieben. Vieheigentümer, die nicht mitspielten, wurden 
•waltsam reduziert. 1940 machten die Landwirtschaft und der 
immens aus; - 1958 konnte weniger als 9% aus dieser Quelle 
!ht erzählt wurde, war, daß ihr Vieh in die Mägen der 


Parallel zum Niedergang der 
Energiequellenausbeutung. Z 


: ■ -mm*, .- - — —- • 

Demonstration einiger Tausend Iridloner gegen den Uranabbau in den Black Hills 

»kompanien. Das Atömz.eitalter neigte die Waagschale endgültig, als Kerr 
, ä jo Reservat zog,' um '»^ Kötttfakt ^ßet Atomenergiekommission Uran für das 
a mm zu fördern. Jedes Jahr, erschienen weitere Energieunternehmen^ih der 
atlon, und der Stammesrat stempelte Pachtgenehmigungeh für Peabody Coal, 
il oil, Phillips, Tennessee V^llfey Authority und viele andere. JJo daß 
efähr 36 urariminen, 6 Arbeitende Uran-Anlagen, 4 Tagebau Rohieminen (im 
zwischen 11.000 und 64.000 actif» 1 acre-lMorgen) , 5 Kohlekraftwerke un 
. _ _<n ne ,ii,lh oder aenau an der Reservatsgrenze befanden 










Ein stolzer Peter Mac Donald (Vorsitzender des Navajo-Stammesrats) kündigte 1975 an, 
daß "in einem Jahr die Navajo Nation genug Energiequellen exportiert, um den Bedarf des 
Staates New Mexico auf 32 Jahre hinaus zu sichern." Was Mac Donald vergaß auszuführen - 
85% der Navajo-Haushalte haben keinen Elektrizitätsanschluß und das Reservat wirkt wie 
eine Energiekriegszone. 

{ ; - 

Inzwischen entschieden die Stammesräte in den Hopi-Hauptquartieren, daß sie von der 
Entwicklung bei den Navajos betrogen würden* Der Stanmiesrat nahm sich den Rechtsanwalt 
John Boyden aus Salt Lake City, der sie in "ökonomischer Entwicklung beraten sollte* 

Boyden erreichte dies, indem er drei Prozesse gegen den Navajo-Stammesrat um Land 
innerhalb der Joint Use Area anstrengte. 

Für Passierrechte. Schürf- und Weiderechte wurde der Preis auf 90 Millionen Dollar 
gesetzt. Aber weder Boyden noch der Hopi-Staironesrat waren mit einer Geldregeluhg'zu¬ 
frieden, und so machte die Gruppe weiter, indem sie bis zum Kongreß vordrang - mittels 
des Gesetzes 93-531, das die Teilung der 1,8 Millionen Morgen der Joint üse Ätna in 
seperate Navajo und Hopi-Gebiete regelte. 

1976 zog ein Bundesrichter in Tuscon die Grenzlinien und bewilligte 30,5 Millionen 
Dollar für die Umsiedlung. Der Stichtag für Navajos und Hopis, die "auf der falschen 
Seite des Zauns" leben, wurde auf den Jahresbeginn 1982 festgesetzt* 

Der Hopi-Stammesrat hat gewaltsam die Richtlinien für diese neuen 911.000 Morgen be¬ 
stimmt. Ein 95 Jahre alter Navajo wurde kürzlich mit 165 Dollar (ein Viertel «Ines 
Navajo pro Kopf Einkommens) Bußgeld belegt, weil er sein Vieh aus einer Quelle trinken 
ließ, wie er es seit 60 Jahren gewohnt war. / | 

Die Wahl "zu verhungern oder umzuziehen", die von Kit Carson bekannt gemacht Wi 
wird bei den Navajos erneut akut* Nachdem Regierungsbeamte es entsprechend regelten, 
verblieben einer Familie 32 von über 200 Kühen. Eine andere Familie hatte eine Morde 
von 70 Ziegen, 40 Schafen und einige Pferde und Rinder. Heute hat sie 6 Ziegen* Von 
den 30,5 Millionen Dollar, die vom Kongress bewilligt waren, sind 10 Millionen ftr 
die Viehbestandsverminderung, 5,5 Millionen für zweckmäßig durchgeführte Umsiedlung; 

500.000 Dollar werden benutzt, den Stacheldrahtzaun aufzustellen, der die Grenze inner¬ 
halb der Reservation darstellt. Jede Familie mit 4 Mitgliedern erhält 40.000 Dollar, 
kürzlich um 20.000 Dollar aufgestockt - für Viehbestand, das Haus, Land, die Weide¬ 
rechte etc. ... dieses Geld dient dazu, ein Haus, einen Wagen und andere Notwendig¬ 
keiten für eine neue Ansiedlung in Flaggstaff anzuschaffen. Der Staatsbeamte William 
E. Simpkin erhält für seine Vermittlungsdienste 500.000 Dollar. 

Der Navajostammesratvorsitzende Peter Mac Donald hat so etwas wie Mitgefühl gegenüber 
den Vertriebenen. Er bemerkt, daß "80% der erwachsenen Navajos in diesen Gebieten 
nicht zur Schule gegangen seien" und nennt sie "heimatflüchtige Bauern". Er machte 
einige halbherzige Versuche, um Land für die Leute zu finden, aber das ausgesuchte 
Land wurde von den Leuten für unbewohnbar erklärt. Mac Donald, ein sehr einflußreicher 
Mann, ist der Kopf von CERT (Council of Energy Resources Tribes), Direktor verschiedener 
Körperschaften und bezieht ein jährliches Beamteneinkommen von 30-.000 Dollar* Bis heute hat 
sein Einfluß es nicht fertig gebracht, neues Land für die Navajos zu finden* 

Martin Sekaquaptewa, Führer des Hopi-Stammesrats, könnte eine Predigt über die "Probleme 
mit den Navajos" halten. Eine seiner besten Redens "Seit über 100 Jahren verfolgte der 
Navajo seinen Weg mit Gewalt. Weil dies Naväjo-Art ist, denkt der Navajo, dies ist die 
einzige Art ... Es entzieht sich meinem Verständnis, wie Navajos für arm und mittellos 
gehalten werden können, wenn die Bundesregierung sie jährlich mit hunderten Millionen 
Dollar unterstützt, um ihre eigenen Stammeseinkünfte, die ,25 Millionen Dollar jährlich 
erreichen, zu ergänzen. Es gibt viele Indianerstämme im Land, die mehr als glücklich wären, 
wären sie von einer Armut geschlagen, die 14 Millionen Morgen Land umfaßt, auf dem Wald¬ 
gebiete, Flüße und Ströme liegen, gar nicht zu erwähnen das Gas, öl, die Kohle und das 
Uran...” I 

Sekaquaptewa meint, daß die neu gewonnenen 911.000 Morgen Land die "einzige Garantie für 
ihre zukünftige Existenz bedeuten” und daß das Land als Rinderweidegebiet genutzt werden 
wird. 


28 






Ironischerweise ist das Land zu trocken für Rinder - Kühe werden also ein Land »ausgrasen", 
das vorsichtshalber schon durch Erosion zerstört ist. Schaut man so unter die Oberfläche 
des "Hopi-Navajo-Gebietsstreits", r. 1,700 Fuß weit unter die Oberfläche dann kann der 
Schlüssel für all die drastischen Maßnahmen gefunden werden. 


Peabod? Coal Company verkonsumiert bereits ca. 64.800 Morgen des Black Mesa Kohlegebiets, 

- der Sieger in einer Schlacht, die' von den Röpi und Navajo Traditionalisten ungefähr 
10 Jahre zuvor verloren worden war. Der Kontrakt der Company erstreckt sich auf 2 Billionen 
Tonnen, aber in dem Gebiet liegen weitere 20 Billionen Tonnen des schwarzen Goldes. Nach 
Fertigstellung des Zauns wir4 der größte Teil des Kohlefelds auf der Hopi-Seite liegen. 

Die dort lebenden Leute (Nayajos) behaupten, Pläne der Company gesehen zu haben, die Mine 
zu erweitern - ergänzt mit ein paar weiteren Details erscheinen diese Behauptungen nicht 
zu weit hergeholt. John Boyden, der Anwalt des Hopi-Stammesrats, der Aufhetzer in Sachen 
Reservatsteilung, ist von Peabody Coalfür immerhin 20 Jahre angestellt worden. Der vom 
Innenministerium beauftragte B!A-Agent, H«r±aon Loesch ist inzwischen Vizepräsident der 

Peabody Coal! ' ,;/ V' v v:\v 

Es ist egal, von was für einem Stamm öd^r von welcher Hautfarbe eine Person ist - die Vor¬ 
stellung, daß eine 20 Stockwerke höhe «ohletagebaumaschine das Land frißt, von dem du dein 
Leben und deine Kraft beziehst, macht'. WÜhApdl 


R . Mol , ntain ist der heilige Berg beider Völker und der einzige Teil des Gebiets, wo die 
"Zaunzieher“ ohne Erfolg arbeiten. Im.*** "Deklaration zum totalen Widerstand" 
vom Big Mountain aus verabschiedet. Am 9 . Äügust riefen die Hopi-Kikmongwis dazu auf, das 
Gesetz 93-531 außer Kraft zu setzfen,, und,-forderten'einen sofortigen Stop aller Zaunarbeiten. 
Am 5.September wurde die 60jährige Käther*n# Smith; (Dine, verhaftet, ^il sie Schüße^uber 
die Köpfe der staatlichen »Zaunzieher" gefeuert ha** Am 28.Oktober verabschiedete le 
Dine Nation vom Big Mountain aus eine ^h^hähoigkeitserklärung", in 

Einstellen von allen staatlichen BehördA«.Verlangten, solchen in und außerhalb des Reservats 
Am 5.November, veröffentlichte die Dine, Nation «ine Erklärung, die die^Staatsgewalt darüber 

informierte, daß alle AusrüstungsgegAnstähde, die auf ihrem Hoheitsgebiet verblieben 


beschlagnahmt würden ^ Dine ale Haltung, die auf den Mesas und in 

der^egirvl Big Mountain herrscht, SO .»UAt "Eines Tages kommt es zu dem Punkt, wi wir 

das Gesetz in unsere eigenen Hände nehmen,,um die zukünftige Zerstörung unseres Lebens u 

unseres Landes zu verhindern. Sie vetAUÖ^n> uns ? u zwingen, Verbrechen zu begehen, um 



unser Land zu schützen*.. 

Auf beiden Seiten sammeln sich 
liehAS Werk fort: der Zaiin ist 


die Tfurfeiir und der übergeduldige Dine setzt sein abend' 
l^ibhter-''^ a * s aufzubauen 1 


Eisenacher Str. 67 
1000 Berlin 62 
Tel. 781 15 84 
Mo-Fr 10-18.30 Uhr 
Sa 10-14.00 


„Staat ist ein Verhältnis, ist eine 
Beziehung* wischen den Menschen, ist 
eine Art, wie die Menschen sich zuein¬ 
ander yerhahen; 

und man zerstör! ihn. indem man 
anderen Beziehungen eingeht, indem 
man sich anders zueinander verhält." 

(Gustav Landauer) 


ISWI: 







JEDER MENSCH - EIN NARR 


von Gudrun Winkelmann 


icä%j! 












Jedermann, ob arm ob reich. 

Hoch und niedrig ist mit gleich* 

Ich steh hier vor euch im Kreise, 
Grüße euch auf meine Weise, 

Mein Beruf ist es mit Lachen ; ^ 

Dem Leben lang ich dien’, - v. 

Gegen alle schlechten Sachen 
Schonungslos zu Feld zu ziehn. 

Kampf dem.Bösen allerwegen I 
Meine spitze Zunge sticht, 

Scherz stell ich dem Trug entgegen. 
Halt mit Spott ein streng Gericht 
über käufliche Beamte, 
kriecherische Advokaten, 
die einjeder längst erkannte 
An den heuchlerischen Taten. 

Seht mich hier in der Arena, ; 
Faulheit hab ich nie gekannt .v ; s: 
und die Geißel der Satire 


Ist das Schwert in meiner Hand 


Ich trotz Verboten und Gendarig^h/ 
Auch das Kitchen schreckt michnicht; 
Wahrheit schleudre ohn* Erbarmen 
Euch, ihr Herren, ich ins Gesicht* 


Anatoii Durow 


Herren klauen die Masken der Macht, lassen sie nackt dastehen, daß sie nicht mehr begehrens¬ 
wert ist. Sie klauen auch die Masken der ‘sozialen Ordnungen*. Narren zeigen, wie unnötig 
‘Macht* und ‘soziale Ordnungen* sind, so daß jedermensch spätestens b,eim Lachen über sie 
die Nutzlosigkeit dieser gesellschaftlichen Strukturen erkennen müßte. Meine Beobachtungen 
haben aber immer wieder etwas anderes ergeben: es wird über Narren gelacht, jedoch wird über 
das Lachen und Worte wie »Narr*, ‘Schelm*, ‘Verrückter*, etc. der durchaus ernste Hinter¬ 
grund nicht mehr wahrgenommen. Denn sich über die Taten von Narren Gedanken machen, würde 
dedeuten, sich auch über sich selbst Gedanken zu machen, und damit zu sehen, daß die lächer¬ 
lichen Strukturen auch im eigenen Leben vorhanden sind. Es hieße zu sehen, daß man das eigene 
Leben, in dem vor allem Ordnung, Phantasielosigkeit und Realität herrschen, viel zu ernst 
nimmt, seine Lachhaftigkeit nicht checkt und daher dem Alltag nichts entgegenzusetzen hat, 
sondern sich von ihm beherrschen läßt. 

Setzen wir dem Chaos, die Phantasie und Utopie der Narren entgegen! 

Denn Wo Phantasie fehlt, läßt sich nichts verändern; Veränderung heißt aber tjua« auch: der 
Gegenwart die Zukunft, der Realität die Utopie der Träume, der Phantasielosdie 
Phantasie entgegenzusetzen, da nur so Bestehendes nicht in festen Strukturen verankert wer¬ 
den kann, sondern veränderlich wird. Auch sollte nicht vergessen werden, daß das Argument 
"der Gedanke ist schon phantastisch, aber ihm fehlt die Realität..." von Reaktionären ver¬ 
treten wird, die um ihre Macht, um'ihre Vorrechte bangen. Denn wo ein Gedanke;plMt^Wfeisch-' 
gefunden wird, sollte auch versucht werden, ihn in die Tat umzusetzen. 


So gab es im Mittelalter das "Fest der'Narren” zur Jahreswende. Wohlhabende Bürger und 
niedere Priester beteiligten sich ebenso wie das arme Volk an der Verspottung von Institu¬ 
tionen und hohen Persönlichkeiten der Religion. Teilweise wurden sogar "ParOddehmessen 1 * 
abgehalten. Von daher ist es nicht weiter verwunderlich, daß dieses "Narrenfest" von der 




30 











11118111 

'HUK 




Andererseits gab es bei den meisten deren <$msmmB^£Kliche »itoi» 

nicht festgefahren, sondern äußerst die ®mstitiUt'i©B-:der Clowns”* Biese Clowns 

taten genau das, was der übrige war s.B. Fastenzeit, dann feierten die 

Clowns öffentlich riesige Feste,, Stamm dazu brachte, über den Sinn einer 

Fastenzeit nachzudenken, und nicht zu festen.. Wm -m&ä&m -Mmm heilten 

Clowns die Leute von verschiedenen indem sie sie ersÄec^ten oder zum Lachen 

brachten, so "polten sie Leute um”, Schreck oder Lachen ihre unnützen Gedanken 

und Kummer verloren und wieder gesund;wurden^ 


An diesen beiden Beispielen 'Zeigt sich lie .«iohtigteit der Phantasie und Ironie im All¬ 
tagsleben doch recht deutlich: Phantasie gibt Impulse, bestehende geselischstfc1iche Struk¬ 
turen aufzubrechen und neu zu gestalten, und verhindert, daß.diese Strukturen so festver¬ 
ankert werden, daß sie den Alltag des Individuums terrorisieren, m Allltag aber gehören 
Selbstbestimmung und Phantasie zusammen* 


Und wie sieht*s bei uns damit aus? 
noch SeIbs tbestimmung, sondern 
von Geburt bis zum Tod und 
verschiedenen Computer speiidtasffh uns 
unsere Gedanken {die nicht immer 
nicht bewußt I 


'(Zum'^roBteii &M: weder Phantasie' 
Äse 5Menge'' ;: »taliÄt 


Da wird dann auch CLOWNPOWER 
jedes einzelne Individuum zu 

















mationen geben oder vorenthalten können. Im Gegensatz dazu wird dann die v MÄst. # . der Aus¬ 
druck des Individuums, immer wichtiger, im politischen wie im sozialen Bieteich -mmM dabei 
bieten sich auch wieder alte Ausdrucksformen der Kunst an: Clowns, Pools*.fentCmime' etc,* 
■Wobei Mimik und Gestik noch nicht so abgenutzt wie die Worte, noch nicht ,r » zetstört und 
- was heutzutage auch wieder wichtig ist - (noch?) nicht zensierbar sind*' .. • 

Da ist der Narr, ein Individuum, der anderen Leuten ihre eigene Informationdie- 
Information ihrer eigenen Geschichtlichkeit, ihres "eigenen Daseins« Er stellt den Spiegel 
'vor ihnen auf# in dem sie sich, ihre Umgebung, ihr Wesen erkennen. Er zm& 

.Lachen, zum Weinen und trotz seines Wissens ist er unschuldig, jung und ;unli^rechenbar*' 
Mit seinem Wissen steht er, wie jeder bewußt Lebende, mit einem Bein in 

<* _ i;-' /*■•' ; - v _ *' 

der Herrschenden. Für ihn ist der Fernseher keine Alternative zur Straße: die Straße, ' 



t&teemtm r* “ 

- ! Ds # ferf^’ S Das.Fest der Narren, ■ Stuttgart-Berlin 1972 

- Pieper,Werner (HG.) s Das Narrenbuch, Gelmer Zweig Nr.56 Löhrbach 

- Herbert, Jörn (HG-) s ■ Zirkus, Circus, Cirgue Berlin 1978 

- Tedock, Dennis & Barbaras Über den«Band des-tiefen Casqron 

- Lehren indianischer Schamane 



Mach der aktuellen Bedeutung anarcbo-syndika¬ 
ustischer Konzepte zu f ragen, gilt in 'der ir- 
,PÄie 'libertären westdeutschen Linken nach wie 
»r als suspekt. So wird zum Beispiel in einem 
kürzlich erschienen Artikel in der ,f ^ageszeitung t? 
tmm 9*4.1980) von der streng am traditionellen 
;Anardho-S;y.ndi.k,alismu8 or ientierten • Initiative 
Äeie Arbeiter Union” gesprochen, die ihre Akti¬ 
vitäten auf den Betrlebshareich beschränke , und 
daß sich gegen diese starre Ausrichtung in der 
WergangeiÄe.it immer Ortsgruppen gerichtet haben. 
'Ungeachtet dessen, was an diesen Onfcersfce.l 1 urigen 
richtig ist oder falsch, wird doch in der undog¬ 


matischen Linken sehr\schnell ueferschien, daß 
hier die "Anarcho^ML” ^ersuÄt iw zehnjährigen 
Nachtrab das aufzuholen, was für Spontis und 
selbst für viele ML J ei,et» für alle mal passe 
ist, nämlich; Betriebsart®^* Dies mag zum 
Teil ein soziales Problem sein« Bail »'Wak ar bei- 
fcet von‘der ■Scene” in' einem' kapi¬ 

talistischen Unternehmen 'und unterlieft den 
gLe ichen Arbe i tsbediag »»gen ,' wie Äe mmi s t en 
Malocher hier in dieefee Lande? -'bodfet fräÜL nur ei^ e 
Minderheit. Die Meiste» im,der stehen 

dem aus ihrer anderen Lebenslage spre¬ 

chend auch aus ihrer aadefen, Lebfhäweiste heraus 







fremd und mißtrauisch gegenüber. 


DIE ARBEITERKLASSE 


Im Allgemeinen werden den Anarcho-Syndikalisten 
von libertärer Seite folgende Kritikpunkte 
entgegengeworfen: 

- die Fixierung auf die Arbeiterklasse als fal¬ 
sches Subjekt für die anarchistische Umge¬ 
staltung der Gesellschaft; 

- die zahlenmäßige Bedeutungslosigkeit im Gegen¬ 
satz zu ihrem Anspruch Massenbewegung zu 
werden; 

- der zwangsläufig reformistische und system¬ 
integrierende Charakter jeder Gewerkschafts¬ 
bewegung, auch der revolutionär bzw. der 
anarcho-syndika1istisehen; 

- die autoritären und lustfeindlichen Ten¬ 
denzen in anarcho-syndikalistisehen Orga- 
nisationen, in den Verkehrsformen der Ge¬ 
nossinnen und Genossen, in ihren jewei— 
ligen Charakteren. 

Nimmt man diese Kritiken als vorhandene Ten¬ 
denzen, sie existieren ja wirklich und müs¬ 
sen daher auch unbedingt zugeggeben werden, 
so heißt das für uns, daß die selbstkriti¬ 
sche Auseinandersetzung mit diesen Tendenzen, 
erforderlich ist. Andererseits ist es ent¬ 
schieden verkehrt, läßt man sich durch diese 
Einschätzung zur gänzlichen Ablehnung des 
Anarcho-Syndikalismus verleiten, oder be¬ 
ginnt, weil das Wort gut klingt, gänzlich 
neu zu definieren was Anarcho-Syndikalismus 
bedeuten soll. Wie aus den nebenstehenden 
Kästen zu entnehmen ist, war der histori¬ 
sche, traditionelle Anarcho-Syndikalismus 
eine von Arbeitern getragene soziale Bewe¬ 
gung, die rätekommunistische, anarchisti¬ 
sche Ziele formulierte und revolutionäre, ; 
wie antizipatorische Methoden, bei einer ge¬ 
werkschaftlichen Organisationsform, propa¬ 
gierte und anwendete. Die Diskussion um die 
erwähnten Kritikpunkte ist so alt wie der 
Anarcho-Syndikalismus selbst und keineswegs 
ein ausschließliches Produkt unserer Tage. 
Genauso wie heute hatten diese Kritiken da¬ 
mals ihre tendenzielle Berchtigung. Und da¬ 
mals wie heute besteht die Gefahr das Kind 
mit dem Bade auszuschütten und den Anarcho- 
Syndikalismus als Ganzes zu verneinen. Inso¬ 
fern ist es wichtig diese Kritiken an Hand 
von historischen und aktuellen Beispielen 
zu diskutieren. v 


Die Wichtigkeit der Arbeiterklasse in der 
.früheren Diskussion unter Anarchisten war 
vor allem durch ideelle Gründe bestimmt. So 
stand Malatesta beispielsweise zeitlebens 
auf dem Standpunkt der Anarchismus erstrebe 
die "Befreiung der Menschheit" i. Die Arbeiter¬ 
bewegung und die Gewerkschaften seien ihm 
nur das wichtigste Mittel zu diesem Ziel. 

Wahrend die revolutionären Syndikalisten be¬ 
kanntlich den Standpunkt vertraten, daß der 
Syndikalismus sich selbst genüge. Nur so sei 
die Befreiung der Arbeiterklasse, der Marx 1 
sehen Definition entsprechend, ihr eigenes Werk. 
Im Übrigen würde ja die Arbeiterklasse im Zuge 
der sozialen Revolution alle anderen Klassen und 
Schichten in sich aufsaugen. Diese Kontroverse 
mag spitzfindig anmuten und war es wohl auch. 
Stand doch hinter dieser Diskussion die Ausein¬ 
setzung zweier revolutionärer Eliten, die mit 
diesen Argumenten um den richtigen Weg der Re¬ 
volution und ihrer eigenen Vorhutstellung strit¬ 
ten: zum Einen, die zum von Minoritäten durchge¬ 
führten Aufstand neigenden kommunistischen An¬ 
archisten, zum Anderen, die mit dem sozialen Ge¬ 
neralstreik liebäugelnden anarcho-syndikalisti- 
schen Militanten und Funktionäre. Entgegen ihren 
programmatischen Aussagen aber war die Arbeiter¬ 
bewegung, wie Malatesta es offen formulierte, 
wie es aber gleichfalls für die Anarcho-Syndika- 
listen galt, ein Mittel zur Erreichung der Ziele 
der "bewußten” Minderheiten. 

Anders sah es Gustav Landauer; "Auf die Frage 
nämlich, wo die Menschen seien, die nicht anders 
können, als die neuen Formen der Verbindung un¬ 
ter den Menschen zu schaffen, antworten wir; die 
Wenigen sind es! Es ist so weit gekommen mit dem 
Aufblühen des Kapitaiismus, und mit des 

damit notwendig in Verbindung stehendem Abstieg 
und geistigem Sinken der Massenmenschen aller 
Volksschichten, daß uns keine andere Antwort üb¬ 
rigbleibt." (Gustav Landauer; Beginnen, 1977, 

S.45) . Landauer hat dies 1909 geschrieben. Zu 
diesem Zeitpunkt schätzte er die Möglichkeiten 
und Fähigkeiten der Arbeiterklasse bereits sehr 
gering ein. Vierzehn Jahre früher schrieb er 
noch optimistischer: "Der Zweck, den wir verfol¬ 
gen, ist der Aufbau einer sozialistisch organi¬ 
sierten freien Gesellschaft? (v .4 (es. ist) uh- . 
sere erste Aufgabe, innerhalb des Rahmens, in 
dem wir uns »frei* bewegen können, Organisatio¬ 
nen aufzurichten, -die'- Irgendwie geeignet sind, 
den Arbeiter gegen die Ausbeutung, Vergewalti¬ 
gung und Überlistung seitens der Inhaber der 








wirtschaftlichen Machtmittel zu schützen. Die¬ 
se Organisationen sind schon ganz von selbst 
durch ihre antikapitalistische Tendenz vor¬ 
treffliche Bildungsstufen, vorbereitende Ele¬ 
mente der sozialistischen Gesellschaft. Der 
wirtschaftliche Kampf, den die Arbeiter bis¬ 
her in Deutschland geführt haben, war fast nur 
geführt von den Arbeitern v in ihrer Rolle als 
Produzenten. (...) Im ferneren werden wir 
aber sehen, daß die größte Macht, die die 
Arbeiterklasse hat und die sie bisher fast 
ganz unterlassen hatj auszuüben, ihre ver- 
einigte Consumtion ist. Bisher war auf die¬ 
sem Gebiete die einzige Waffe des Proleta¬ 



riates der Nichtconsum, d.h. der: Boykottsrwir/ 
werden sehen, wie diese Waffe erst ihre 
rechte Wirksamkeit erlangt, wenn nicht hur 
einigen Unternehmern die Kundschaft ge¬ 
kündigt wird, eine Kundschaft, die sich bisher 
dann eben andern Unternehmern und Zwischenhänd¬ 
lern zugewendet hat, sondern weBfi ; /&ie. Arbeiter 
ihren Consum mit Umgehung der schmarotzenden 
Zwischenpersonen vereinigen . Ganz, ebenso wie 
auf dem Gebiete der Produktion JStfc&ik .# - 
die Kündigung der Arbeit, erst Äiih Bedeutung 
erlangt, wenn gleichzeitig die feheiteh ihre 
Produktion selbständig vereinigen..''in- 0er Pro¬ 
duktions-Genossenschaft ./ Ganz von selbst;, ver- . 
steht es sich, daß neben diesem Aulbauen auf 
wirtschaftlichem Gebiet die Aufklärung und Re¬ 
volutionier ung der Köpfe erfolgen {Bin 

Weg zur Befreiung der Arbeiterklasse, 

1895, S. 6 f.). Landauer beharrte;Zunächst .auf 
dem Standpunkt der gewerkschaftlichen und genos¬ 
senschaftlichen Selbsttätigkeit der Arbeiter¬ 
schaft. Die sozialistischen Minderheiten haben 
nur die Aufgabe im Sinne ihrer Ideen# Aufkläre¬ 
risch zu wirken. Als sich das selbständige Han¬ 
deln der Arbeiterklasse für ihn als verlorene. 
Hoffnung erweist, wendet er siolgiii^ nOobL AO. 
die "Wenigen” das neue Leben selbst uiutiittelbar 
zu *beg innen” . T: .v . v . 

Zu einer ausgesprochenen Theorie der äielbsihAn- 
delnden Arbeiterklasse gelangte die 

rätekommunistische Bewegung in den dreißiger. 
Jahren. "Wenn wir bisher feststellen konnten# 
daß die 'Bewegung der Arbeiter 1 '- in den Ar bei- 
terraten die Form annim;t, wodurch sie im Stan¬ 
de ist, die gesellschaftliche Kräfte zu be¬ 
herrschen, so richten wir jetzt den Blick 
au die neue 'Arbeiterbewegung*, auf die orga¬ 
nisatorische Zusammenfassung der noch verhält¬ 
nismäßig kleinen Zahl revolutionärer Arbeiter, 
die sich bewußt auf den Standpunkt der Arbei¬ 
terräte gestellt haben. Dabei ist zuerst nötig, 
eine scharfe Grenze zu ziehen zwischen Orga¬ 
nisationen, die sich revolutionär nennen, in 
Wahrheit aber noch zu der alten .»Arbeit m fee- 
wegung' gehören, und solchen, die sich in der 
Richtung zum Neuen entwickeln. ^JULJJe-'ÄfpaSlIsa^- 
tionen, die die Führung der Kämpfe, für sich be¬ 
anspruchen, die zum *Generalstab» der der Arbei¬ 
terklasse werden wollen, sie stehen an der an*- 



deren Seite der Grenze? wenn ifere Geburtsstuntd 
auch von noch so jungem Datum ist. Dagegen 
rechnen wir alle Organisationen, die nicht die 
Macht an sich reißen wollen# sondern-nur Klae- ' 
senmacht, die die Selbstbewegung der Massen i 
durch die Arbeiterräte zum Prinzip erhefedni-Ä ' * 
der neuen Arbeiterbewegung." {Henk Canne Meijefi ; 














Das Werden einer neuen Arbeiterbewegung, 
zit. n. Partei und Revolution, Berlin o*J*) 

Diese Diskussion wurden auf der Grundlage 
einer, wenn auch in gesetzten Grenzen, von 1 
un ten her aktiven Arbeiterbewegung geführt. 

Beute dagegen gibt es zwar große institu- t 
tionalisxerte Arbeiterorganisationen, vor 
allem dis' Gewerkschaften, aber eine von un¬ 
ten her aktive Arbeiter bewegung , noch dazu 
in einem Sozialrevolutionären Sinne exi¬ 
stiert nicht. Dagegen kommt es gelegentlich 
neben dev. systemintegrierten Alltag zu 
eruptionwartigen spontanen militantgeführten 
Streikaktionen, die in ihren Zielen erfolg¬ 
reich oder nicht, keine kontinuierliche Bewe¬ 
gung zur Folge haben. Dies ist zum Teil mit 
ein Grund dafür, daß die Libertären vom Be¬ 
triebsbereich weitgehend isoliert sind und 
zu Auffassungen, wie der Folgenden kommens 
"Warum wir es als Anarchosyndikalisten ü) 
richtig finden, das Hauptgewicht unserer poli¬ 
tischen Arbeit nicht mehr im Betriebsbereich 
festzulegen, sondern auf das Eingreifen in so¬ 
ziale Kämpfe aller Art konzentrieren. (...) M . 

(Erste, später geänderte Fassung des ”Positi¬ 
onspapiers der Hamburger Initiative für eine 
Fan" 1. Absatz. Gerade dieser Absatz wurde Spä¬ 
ter dahingehend geändert, daß Betriebsarbeit 
als eine Ebene "sozialer Kämpfe" anerkannt wird. 

.Ich glaube aber daß dies hier die eigentliche 
Meinung der Verfasser wiedergibt.} R. von der FAU 
schrieb kürzlich im "Arbeiterkampf" (Wr. 173 vo& 
lo. 3. 8o, S.5o): "Anarchosyndikalismus ist nicht 
das reine Programm der einzig wahren Partei, son¬ 
dern eine revolutionäre Ideologie für die syndika¬ 
listische Organisierung libertärer Genossinen und 
Genossen." R. vergißt, daß der Begriff "syndika¬ 
listisch" ein bestimmtes Konzept von Arbeiter- , 

gewerkschaftenbezeichnet* während "libertäre" 
Genossinnen und Genossen" Arbeiter(ihnen) sein kön¬ 
nen ober nicht müssen. Anders ausgedrüc^ct: ein 
Programm mit anarchistischen Zielen kann entspre¬ 
chend genannt werden Arbeitergewerkschaft Alt 
föderalistischer Struktur und der direkten Aktion 
als hauptsächlichem taktischen Mittel und Anarchie, 
Räte, Kommunismus als strategischem Ziel map dich 
anarcho-syndikalistisch nennen. Dies hätte wohl 
seine historische und sachliche Berechtigung. Aber 
so verfahren wie die neue Organisation die laut 
"tageszeitung" vom 9.4.8o vom 9. 4. 8o neuerdings 
Freie Arbeiter Union heißt, (wo bleiben denn bei 
diesen Vorstellungen die Arbeiter(innen),) i^t 
reine Willkür. Mit der selben Berechtigung laßt 
sich ein Glas Bienenhonig eine Atombombe nennen, 
denn zweifellos besteht Bienenhonig aus _ 

gen Atomen und "Union" und "syndikalistisch" hat 


ja irgendetwas mit Zusammenschluß zu tun. R.*s 
Argumentation in seinem "ArbeiterKampfArtikel 
geht daher völlig fehl. Daran ändert auch nichts 
die von ihm ins Felde geführte Verschiebung in- j 
nerhalb der Strukturierungen des Proletariats, j 
die Automatisierung, die neueste Entwicklung des i 
Imperialismus, erst recht nicht die nationalen j 
Befreiungsbewegungen der 3. Welt und die Stadt- j 
guerilla und auch nicht die Rolle der Hausfrauen j 
im Kapitalismus. Wer so argumentiert tut gerade | 
das, was er zu bekämpfen vorgibt. Wenn er schreir 
bt "Anarchosyndikalismus"'sei nicht das reine 
Programm der einzig wahren Partei, so zeigt die 
Argumentation, daß er auf dem besten Wege dahin J 
ist. Es sei ihm daher Vorsicht geraten mit Be- j 
merkungen wie t " Was Anarchiosyndikalismus ist, j 
bstimmte immer noch der Boß" (AK, a.a.O.), wie j 
er das der "Gruppe ArbeiterSolidarität" verwirft, j 
Dieser Stein fällt sehr leicht auf seine eigenen i 
Füße, wenn er nicht schon da gelandet ist. | 

Zurück zum Ausgangspunkt: realistisch ist es I 
zu sagen, daß die unmittelbaren Voraussetzungen j 
zur Gründung anarchistischer Gewerkschaften niefct ! 
existieren, wohl können das die Genossinen und 
Genossen anstreben. Hierzu sind aber subjektive 
Voraussetzungen (unter anderem) erforderlich. 

Sie bestehen darin, daß sich die anarchistischen 
Genossinnen und Genossen in den Betrieben gegen- ; 
seitig raitteilen und intensiv die Wege und Mög¬ 
lichkeiten ihres Engagements besprechen. Es ist | 

erforderlich, den eigenen Handlungsspielraum ! 

immer mehr zu erweitern, indem wir unsere eige- j 
nen Fähigkeiten entwickeln und allmählich unsere j 
Zahl vergrößern, so daß wir über die vermehrte 
Bildung von Ortsgruppen, über die Bildung von j 
Betriebsgruppen zu einer anarchistischen Ge- i 

werkschaft, als Et appensziel,, gelangen. Dieser j 

Weg ist für alfe arbeitenden Genossinnen und 
Genossen ein existenzielles Erfordernis und auch 
von jenen Libertären politisch zu respektieren, 
solange die Klasse der ldhnabhängig Unterdrückte! j 
noch die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung 

i • ! 

ausmacht. ‘ j 


Sekte oder Massenorganisation 


Die zahlenmäßige Bedeutungslosigkeit unserer Be¬ 
wegung hier und heute: ist ein anderes Problem. 

Die*anarchistischen Gewerkschaften der Vergangen 
heit waren immer Massenorganisationen. Mit ihrem 
Wiedergang als solbhe tauchte die Frage auf,- j 
wie man denn weiterexistieren wolle: als Massen- ! 
Organisation Oder als Sekte. Unter diesem Schlag-' 
wort diskutierte zum Beispiel die HMD (AS) in ; 
den zwanziger Jahren. Ergebnis war, daß pragma- j 
tisch hach Wegen gesucht wurde, den Mitglieder- 
stand der Organisation zu heben oder zumindest 
zu halten. Dies führte zu diversen Zugeständ- 










nissen an das herrschende System ohne das 
erstrebte ziel zu erreichen. Es mutet eher 
parteipolitisch als gewerkschaftlich an zu 
hören, daß die haupsächlichsten Aktivitäten 
der FAüD der letzten Jahre in Aufklärungs¬ 
arbeit über ihre Ideen bestand; daß zur Be¬ 
teiligung an der Volksabstimmung zur Für¬ 
stenenteignung aufgerufen und die Betei¬ 
ligung an Kommunalwahlen diskutiert wurde. 

Dies soll hier nicht einfach denunziert wer¬ 
den. Ich» frage vielmehr: sind dies Beiträ¬ 
ge zur selbsttätigen Umgestaltung von Wirt¬ 
schaft ind Gesellschaft durch die Arbeiter¬ 
schaft selbst? - Einen anderen Weg in die 
Sackgasse ging die KAUD (RBQ)* Die Reste 
der unionistischen Bewegung diskutierten den 
allgemeinen Gang der Welrevolution, die sie 
als selbsttätige, durch die Räte organi¬ 
sierte Arbeiterrevolution auffassten. Sie 
diskuterten in wie weit sie selbst und/oder 
die Arbeiterklasse selbst in ihren aunab- 
hängig geführten und organisierten Tages¬ 
kämpfen die ersten Ansätze einer neuen Ar¬ 
beiterbewegung seien. Die öffentlich ge¬ 
führten Diskussionen und gelegentlich ihre 
separat veröffentlichten Ergebnisse dien¬ 
ten dann wieder der Propaganda der Organi¬ 
sation. Die öffentlichen Kundgebungen der 
unionistischen uns syndikalistischen Ten¬ 
denzen in der deutschen Arbeiterbewegung 
gerade zu aktuellen Fragen konnte durch die 
Kleinheit ihrer Organisationen nur noch 
deklamatorischen Charakter haben, der weit¬ 
gehend wirkungslos verpuffte. So liegt es 
auf der Hand, daß beide Wege nicht befrie- 
digerukönnen. Für sie trifft zu, was Gus¬ 
tav Landauer über anarchistische Kommunis¬ 
ten bemerktes"Wir Anarchisten und Revoluti¬ 
onäre vom Sozialistischen Bund erkennen fer¬ 
ner, daß auch in Sachen der allgemeinen Be¬ 
freiung des Volkes von politischem und gei¬ 
stigem Druck der Doktrinarismus der Kommu¬ 
nisten von größtem Schaden ist. Sie sind so 
maßlos fernsichtig, daß sie über alles, was 
vor ihren Augen an Verwirklichung vorgeht, 
.hinwegsehen." (Gustav Landauer, Beginnen,o. 

0. 1977, S. 15o) "Dadurch, daß wir den anar¬ 
chistischen Kommunismus nicht an sich, als 
abstraktes Gebilde ins Auge fassen, sondern 
ihn in seiner psychologischen Entstehung be¬ 
obachten, dadurch kommen wir dazu, zu sehen, 
wie aus solcher Gemüts- und Geistesverfassung 
des anarchistischen Marxisten nicht nur der 
Kommunismus, sondern noch allerlei anderes 
entsteht, was nun für uns nicht mehr davon zu 
trennen ist, weil es zwar nicht abstrakt, 
aber historisch-psychologisch genommen dazu 
gehört: der KlassenkampfStandpunkt, der Syn— 
dikalismus und vielerlei anderer Doktrinäris- 

36 


mus. WIR erkennen, daß das alles /'eine*Abkehr 
vom Leben, ein Mangel an eigenem, an selbstge¬ 
wachsenem Leben, ein ödes Nachsprechen von 
Eingelerntem ist." {ebd. S. 151) I»dauer möch¬ 
te hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttöt ha¬ 
ben, aber die Beobachtungen auf die er sich 
stützt ist jedenfalls richtig. Auch wir wollen 
nicht auf "Teufel komm^raus* Leute organisie¬ 
ren, die wir für unsere politischen Zwecke 
benutzen , um in der Tagespolitik dick dazuste¬ 
hen. Noch müssen wir an einem kätepMsmus der 
Weltrevolufcion arbeiten, der untrere ganze Kraft: 
in Anspruch nimmt, nur um uns | 

ende sagen zu können: "Wir habeÄ es ja irrnner 
gesagt und nachgewiesen(!iU}: Barbarei öder 
Sozialismus ist die Alternative*. Dies soll 
aber nicht heißen, daß die theoretische Be¬ 
schäftigung mit der gesellschaftlichen Bnt- * 
Wicklung nicht erforderlich wäre, im GegenteilI; 

Bei Gründung der Initiative Freie ■'■''Arbeiter 
war bei den Meisten der' Glaube'.hehr ■ groß. ; ln 
ze eine in den Betrieben 

Organisation auf gebaut zu haben*Diese ■ ■Seifen^ 
blase ist Ja bekanntlich geplatzt uhd "Seitdem 
versuchen viele Genossinnen und Gebossen als Orga¬ 
nisation in anderen Bereichen zu-arbeiten, um zu 
einer starken wenn auch politIschen " (im~■ Genen.-.’ 
satz zur unionistisch-syndikallstlschen Wirt¬ 
schaft s-po 11 tischen Einheitsorganisation mit 
betrieblicher Basis ) Organisation '--kp ' ÄH 

bei werden libertäre Prinzipien-, -flö zum BÄ Spiel 
das der eigenen, unmittelbaren, Betroffenheit ge¬ 
legentlich über Bord geworfen. Ich kann mich mit 
dem Kampf gegen AKW*s gegen militärische Anlagen; 
etc. in entsprechenden Bürgerinitiativen viel 
besser, intensiver beschäftigen und daran teilneh¬ 
men, als wenn ich das als politische Organisation 
"Freie Arbeiter Union” tue. Beteilige ich mich 
vielmehr als politische Organisation daran, trenne 
ich mich ein Stück von der Bewegung als Ganzes und 
trage zum Ersten den Keim der Spaltung in sie hin¬ 
ein. Zum Zweiten kommt es zwangsläufig zu einer 
Konkurrenz zwischen Bürgerinitiative und politischer 
Organisation, infolgedessen letztere in die Rolle 
eines angeblichen Vorreiters und de facto Nachtra- 
bers gedrängt wird, selbst wenn sie das nicht will. 
Eine solche Vorgehensweise ist mit dem Prinzip des 
"selbst handelns” nicht vereinbar. Dies ist aber das 
zentrale Prinzip von dem wir Uber täte überall 

ausgehen müssen. Das Problem der Zahl ist nur ein 
vordergründiges Problem, von dem in unserer Bewegung 
nur die ausgehen, die Massen hinter sich sich herkar¬ 
ren müssen, um ihre eigene Bedeutungslosigkeit zu 
verdecken. Ansehen, gesellschaftliche Bedeutung, 
Macht sind aber die gängigen Ziele mit denen wir als 
Kinder dieser Konkurrenzgesellschaft unsere und ein¬ 
gebildeten Minderwertigkeiten kompensieren wollen. 

- Ich bin durchaus der Meinung, daß wir mehr werden 
müssen - aber auf Grundlage unserer Prinzipien, die 
nicht nur theoretisch begriffen werden müssen, son- 









dem die wir leben müssen* Dies setzt aber 
auch voraus, daß wir. uns mit vielen kleinen 
Widerständen auseinander setzen, die das zu 
verhindern trachten* Ein solches inhaltliches 
Engagement für uns selbst und nicht scheinbar 
selbstlose, vordergründige Propaganda und 
Agitation kann nur die Grundlage unserer Aus¬ 
einandersetzung mit den "großen 1 * wirtschaft¬ 
lichen und politischen Problemen sein, die 
aber auf jeden Fall ebenfalls laufen mußi 


folgen, wenn sie aber ihre Funktion als ge¬ 
werkschaftliche Arbeitervereinigung, d.h. als 
Verteidiger der unmittelbaren Interessen 
ihrer Mitglieder erfüllen will, muß sie de 
facto jene Institutionen anerkennen, die sie 
theoretisch ablehnt* Sie muß sich den umstän¬ 
den anpassen und versuchen, Schritt für 
Schritt so viel zu erreichen als irgend mög¬ 
lich, in dem sie mit Bossen und der Regierung 
verhandelt und sich auf Kompromisse einläßt*/ 

Kurz, die Gewerkschaften sind ihrer Natur 
nach reformistisch, niemals ; evolutionär." 

(umanitä növa, 6.4*1922)* Die Entwicklung der 
Gewerkschaften zu einem festen, wie reaktio¬ 
nären Bestandteil der kapitalistischen Gesell¬ 
schaft sehen wir in der BRD am deutlichsten 
wahrscheinlich im DGB. und den ihm angeschlos¬ 
senen Industrieverbänden. Aber sehen wir uns 
beispielsweise die französische CGT an. Sie 
ist heute die kommunistische Richtungsgewerkschaft, 
und wie die KP selbst offen reformistisch. Anarcho- 
syndikalistische Minoritäten in ihren Reifen, werden 
sobald sie stärker werden, was in den letzten,Jahren 
ein paarmal der Fall war, systematisch ausgeschlossen. 
Xn ihren Anfängen war die CGT eine revolutionär-syndi¬ 
kalistische Organisation, die den revolutionären 
Generalstreik propagierte und deren Taktik die direkte 
Aktion war. Aber die revolutionäre Richtung war nur 
eine von zweien? daneben existierte von Anfang an eine 
reformistische Tendenz, nur daß die Revolutionären 
anfänglich das Übergewicht besaßen. Ihr Einfluß 
schwand als sich die Reformisten zu formieren began¬ 
nen und nachdem die revolutionäre Taktik einige Mieder¬ 
lagen hinnehmen mußte* Die Reformisten gewannen end¬ 
gültig die Oberhand als der 1. Weltkrieg ausbrach und 
Es wird nicht zu Unrecht kritisiert, daß die aie CGT in der union sacree mit Regierung, und Kapita- 

Gewerkschaftsbewegung zwangsläufig einen listen zusammenarbeitete. Auch in der spanischen CMT 

reformistischen und systemintegrierenden machten sich diese Einflüsse geltend. Die Regierungs- 

Charakter habe. Auch dann, wenn sie selbst 4 beteiiigung. während des' Bürgerkrieges. ist ein deut- 
vorgibt revolutionär, anarcho-syndikalistisch liehen Beispiel dafür. Odfer auch Versuche, in de** 

etc. zu sein. Mit der erste in unserer Bewe- 60er Jahren von einem Teil der Organisation, der 

gung, der dies kritisierte war E.Malatesta, die Zusammenarbeit mit der faschistischen Zwangs 

der ja sein ganzes Leben hindurch die Auffas- gewerkschaffe amstrebte. Die Liste dieser -^fispiele 
sung vertrat, daß Arbeiter gewerkschaftlich ließe,sich gewiß beliebig verlängern, ist aber wohl 

organisiert sein sollen und das Anarchisten nicht erforderlich. Nicht unerwähnt soll dagegen blei 

in Gewerkschaften arbeiten müssen, ja wenn \ ben# daß diese Fragen von grundsätzlicher Bedeutung 

noch keine existieren, sie welche gründen für, die anarchistischen Genossinen und Genessen in 

sollten. Gleichzeitig stand er aber gerade äm Betrieben sind. Wie z. B. lassen sich systemxm- 

der Arbeiterbewegung und den Gewerkschaften ; V - ( tarierende Momente und Tendenzen in der täglichen 
sehr kritisch gegenüber: "Die Arbe*fcez*ta^ Mt z, M. äte Mit¬ 
kann, 'trotz all ihrer Verdienste und Möglich- a rbeit in einem Betriebsrat oder einet gewerkschaft- 

keiten,, nicht von sich aus eine revolutionäre Heben Betriebs- oder Fachgruppe, oder, -als- 

Bewegung im Sinne einer Negation 

tischen, und moralischen-Grundlagen der gegen- i ; ff in wie weit sind 

wärfeigen" Gesellschaft sein./ Sie kanii, der Lage \ t 

jede-neue Organisation., dem Geiste ihrer yon dies'e^ wirken? D$fcse 

^ _nur an Hand des konkreten 



REFORMISMUS 


äer und dem Buchstaben ihrer Satzung 
höchsten Ziele und radikalsten Absichten ver- 





an'Hand des.konkreten; 
da die. fdr 


37 

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uns mir taktischen Charakter hat. Dies geschieht in die Rolle der Geschäftskommisiöh in der FAUD (S) 

der I.FAU außer in den Ortsgruppen auf den Betriebs- un d die Handhabung des^Syndikalist 1 ' als Medium 

treffen. . für ihre Politik hinzuweisen* Gegen die sich jja 

Autoritäre Tendenzen innerorganisatorisch eine vielgestaltige Opposi- 

0er letzte, anzuschneidende Punkt sind die autoritären tion erhob - Die aber ^ den-Preis, daß der.Syn- 
Tendenzen in unseren eigenen Reihen. Wollten wir uns dika.lismus in Deutschland nicht nur keine bestim- 
von diesen freisprechen, müssten wir zumindest zuge- mende soziale Kraft wurde, sondern auch noch zur 

ben, blind zu sein! Ich glaube dagegen, daß es besser Sekte verkam, ihre Vorherrschaft persönlich und 


ist offenen Auges Zusehen, was ohnehin geschieht und 
nicht versuchen aus falsch verstandener Parteilich¬ 
keit zu sagen "Bei uns nichts" Selbstverständlich 
den Hinweis auf die Prinzipienerklärung Abs.3, Vers 
5 , wo steht.... etc., nicht vergessend* 

Es genügt bereits der Blick auf das gängige Voka¬ 
bular in unserer Bewegung. So schreibt zum Beispiel 
Augustin Souchy in seinem Buch "Nacht über Spanien" 
von"Syndikalistenführern w .Und anläßlich der Maier¬ 
eignisse in Barcelona 1937, in deren Verlauf 
es bekanntlich zu Barrikadenkämpfen zwischen 
Anarchö-Syndikalisten und Kommunisten kam, be-* 
merkt er: "Die syndikalistischen Arbeiter 
standen in ihren Barrikaden Gewehr bei Fuß, 
ohne zum Angriff überzugehen. Sie bewiesen 
eine mustergültige Disziplin und befolgten die 
Anweisungen ihrer Komitees."(A. Souchy:Nacht 
über Spanien, Frankfurt 1976, S. 199). Es han¬ 
delt sich hier durchaus nicht um den Sündenfall 
einer Bewegung, sondern autoritäre Tendenzen 
durchziehen alle anarchistischen und syndika¬ 
listischen Organisationen seit ihrem bestehen. 

Schon 1911 konnte der Soziologe Robert Michels, 
seinerzeit ein Syapathiesant der revolutionären 
Syndikalisten feststellen: "Kaum eine Bewegung 
stützt sich auf die Rechte und Fähigkeiten der 
organisierten Masse zur Selbstregierung mit 
solcher Energie wie die syndikalistische.(...) 

In der Praxis geht die Klage, daß die Masse in 
entscheidenden Fragen alle Initiative von oben 
erwarte und wenn sie nicht erfolge, die Hände in 
den Schoß lege./ Wie bei allen Gruppen von 
ostentativ demokratischer Ideologie nimmt auch 
im Syndikalismus die Herrschaft der Führer oft 
geheime Formen an.(*.•) Es mag zugegeben werden, 
daß die obersten Spitzen der französischen Ar¬ 
beiterbewegung im engeren Sinn nicht jenen Grad 
von Führervollmacht aufweisen, der in anderen 
Ländern, insbesondere Deutschland, bei den ent¬ 
sprechenden Instanzen wahrnehmbar ist.{.».) Im¬ 
merhin sieht auch hier (in Frankreich) die Praxis 
erheblich verschieden aus von der Theorie. Auch 
in Frankreich üben die Führer, zumal durch die 
noch nicht von der Masse geschriebenen 
Presse starken Einfluß auf die Mitglieder aus." 

( R. MichelssSoziologie des Parteiwesens, Stutt¬ 
gart 1970, S. 333 ff.) . Ähnliche Erfahrungen 
sind auch aus der deutschen syndikalistischen Be¬ 
wegung hinreichend bekannt. Es reicht hier wohl auf 


ideologisch behaupten konnte. Ähnliches gilt 
übrigens auch für die unionistischen Organisatio¬ 
nen jener Zeit. 

"Je mehr der Syndikalismus f) erstarkte, desto 
meht traten auch in ihm alle^Äl^ersCheinungbn 
zutage, die dem VertretersyÄ^’llberÄl zu eigen 
sind. (...) In der Tat k onn ichi der■' J uhge" Syn- 
dikalismus,der aus Oppos iti an ge§en den Autor! ta- 
rIsmus der Führerschaft entstanden ist, den olli- 
gärehiöchen Tendenzen in keiner Weise entziehen. 
Die Führung in der Hand zu behalten,wird zum 
obersten Gesetz; (...). w (R.Michels r a*ä*0*,, S.336) 












Es ist aber nicht erforderlich,durch die Vergangenheit 
und ferne Länder zu schweifen, um derartige Tendenzen 


öufzustöbern. Es genügt ein Blick hinter die Kulissen 
der Initiative Freie Arbeiter, Union; war es anfänglich 
üblich, daß z.B. bei lAA^Treffen, die damals noch in 
Baris stattfanden, Genossinnen und Genossen aus anderen 
Hegionen, bzw. Ortsgruppen> ausdrücklich gefragt , ob 
sie nicht Interesse hatten, an diesen Treffen als Beob¬ 
achter teilzunehmen, so setzten sich im darauffolgenden 
Nationalkomitee Genossen mitausgesprochen bürokratischem 
Verhalten durch. Auf das Begehren eines Genossen, 1978 
am l.Treffen der Sektion Nord der IAA teilzunehmen, 
wurde ihm damals geantwortet, daß dies nicht möglich 
sei, da man nicht genügend Schlafplätze zur Verfügung 
habe und vor allem sollte man dochdiese Arbeit; den ge** 
wählten Komitees überlassen, das sei ja schließlich 
ihre Aufgabe. Im Zuge der Auseinandersetzungen um die 
Weiterarbeit der I.FAU, in der es ja wie oben bereits 
angedeutet um die Rolle der Betriebsarbeit ging, und 
dieser Arbeitsschwerpunkt grundsätzlich in Zweifel ge¬ 



zogen wurde, ging es. teilweise so rüde zu, daß es jeden 

Libertären beleidigen muß. Es waren dies vor als Revolutionäre, in unsere revol u t i onä r e n 


allem die dogmatisch denkenden und bürokratisch 
arbeitenden Genossinnen und Genossen (oje, schön 
wieder...ider ermüdende Schreiber) aus Köln, Dort¬ 
mund und Hamburg, die in ihren jeweiligen Ortsgrup¬ 
pen großen Einfluß hatten und zum Teil noch haben» 
Aber auch sie haben mittlerweile ihren Meister 
funden: in der "Tageszeitung" vom 9.4.80■könnten; 
viele Mitglieder der I.FAU lesen, daß an Ostern 
ein Kongreß ihrer Organisation stattfand, der 
diese kurzerhand auflöste und das Nationalkomitee 
als koordinierendes Organ gleich mit. "Dar fon— 
greß selbst fand unter Beteiligung einer Minder¬ 
heit der OG 1 s statt(...) ”(TAZ,9,4.80) Die 
"Tageszeitung" fand daher auch die passende Über¬ 
schrift zu diesem seltsamen Kongreß* ^AhßrchöB 
putschten in der FAU" (ebd.) . Nur ob es sich /: 
hierbei wirklich um Anarchos handelt, ist noch 
nicht einwandfrei geklärt. Von vertrauenswürdig i 
ger Seite konnten wir vielmehr erfahrend daß 
sich um einen Kreis über asiatischer Produktions¬ 
weise bei Marx philosophierender Genossen handelt, 
der sich im Sommer letzten Wahres vorgenommem 
hatte, die I.FAU regelrecht zu unterwandern. Die 
Verwandtschaft ihrer Praktiken mit denen von Mar- 
xisten-Leninisten läßt sich indessen nachweisen. 

Im "Positionspapier der Hamburger Initiative für 
eine FAU” heißt es gegen Ende wie folgt:"Die Ver¬ 
mittlung dieser Einsicht (verkürzt gesagt: der 
dreifachen Entfremdung, der der Mensch rn djer > ^ ? 
kapitalistischen Gesellschaft unterliegt: a) von 
dem Produkt, b) dem Mitmenschen und c) sich 
selbst) in bezug auf die gesellschaftlichen 
Verhältnisse muß unsere Aufgabe sein. Dazu fe; > 
darf es jedoch des Vertrauens der Massen in >Mg 


Erkenntnisse und Handlungen, Dieses Vertrauen 
stellt sich her, wenn wir dort, wo ihre sicht¬ 
baren Probleme sind, wo sie die Bereitschaft 
haben zu kämpfen, konseguent und radikal an 
ihrer Seite stehen*" Hier ist doch zu fragen, 
warum die Massen gerade in uns' Vertrauen setzen 
müssen? - Doch nicht etwa dafür, daß diese 
dummen Jungs uhd Mädchen von und gezeigt kriegen, 
wo 1 s lang geht? Na,' na wer wird denn wohl! 
Außerdem ist hierzu ja sowas wie die "Bolsche- 
wiesierung" der Anarchoszene Voraussetzung - 
nu denn. Genossen, Rot Mäh Schwarz Front! 

Die libertäre Bewegung in Deutschland hat einmal 
eine sehr schön und treffende Parole gehabt: 

"von Unten auf!" Heute heißt das, hoch konkreter, 
mit der eigenen unmittelbaren Betroffenheit an¬ 
fangen und die eigenen Probleme von hinten bis 
vorne von selbst ifeäenl Das gilt für unsere per¬ 
sönlichen, seeliaDhen und Verbaltensprobleme 
genauso, wie für die Gruppen- und gesellschaft¬ 
lichen Probleme politischer,wirtschaftlicher, 
ökologischer Art. 

Wir müssen uns gewiß um alle Probleme kümmern 
und an ihrer Lösung arbeiten. Wir müssen aber 
auch feststellen, was jfür uns jeweils vorrangig 
ist, entsprechend Entscheidungen treffen und 
immer bereit sein, sie zu korrigieren, wenn sie 
sich als falsch erweisen. Da die Erlangung der 
eigenen Freiheit ein unmittelbar persönlich 
menschliches Problem isfsy: der Art und 

'■'Weise des VerhaltenÄ’-fV.'hÜh hat# ist seine Wich- . 
tigke% offensichtlich. ' ; I#cltbrer nnd freier mit 
• 4 den eigenen Verhalt|^öchwlerigkeiten umzugehen 
JWC Voraussetzung , eine Viel¬ 
zahl uhterschledlM^hir. Fähigkeiten ^ zn erwerben 
und zu 'entfalten- ‘daß hierdurch die . 


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persönliche Lebensfähigkeit erhöht wird, es 
steigt auch der Lebensgenuß: immer neue Be¬ 
dürfnisse werdengeweckt, fordern ihr Recht 
und werden erfüllt. Dies ist für alle sozialen 
Bereiche der wichtigste Teil, an unserer Be¬ 
freiung zu arbeiten. Nur so können wir vermei¬ 
den, daß wir als weiland ergraute "Syndikali- 
stenführer" die Passivität und Unfähigkeit 
unserer Mitglieder beklagen.An den betriebli¬ 
chen, wirtschaftlichen, politischen Problemen 
müssen die arbeitenden Menschen ihre Fähigkei¬ 
ten entwickeln und erweisen, nur so können 
sie zur Selbstverwaltung vorwärtsschreiten. 

Um ihre Fähigkeiten und Perspektiven zu sehen, 
müssen sie aber menschlich offen sein.Soweit 
wir hierzu etwas positives beitragen können, 
kann das nichts anderes sein, als in diesem 
Sinne an uns selbst zu arbeiten. Und durch 
unsere Veränderung anderen Menschen Wege und 
Möglichkeiten ihrer eigenen Veränderung zu 
zeigen. Verändern aber müssen sie sich schon 
selbst. Es ist ihre Entscheidung, die ihnen 
niemand abnehmen kann und auch nicht soll. 

Wir dürfen nur nicht der vorhandenen Gefahr 
ins Messer laufen# uns ängstlich von den 
völlig konform lebenden menschlich zu isolie¬ 
ren, sie nur noch zu einem lebenden Objekt 
unserer Propaganda machen, sondern auch den 
menschlichen Kontakt und Konflikt suchen. 
Hierzu gehört auch, daß wir ständig bereit 
sind, unser Denken und Handeln zu überprü¬ 
fen.Es nützt wenig, sich für die Probleme 
Anderer, der Klasse, der Gesellschaft zu 
engagieren, ohne mit sich ins Reine kommen 
zu wollen. Im ungünstigsten Fall machen wir 
Menschen vielleicht sogar einseitig von uns 
abhängig. Wahre Kollektivität besteht aber 
in Beziehungen, die auf Gegenseitigkeit ba¬ 
sieren. 

Anmerkungen zu einigen aufgeführten Organi¬ 
sationen und Personen 

I*FÄU - - Initiative Freie Arbeiter Union? 

1977 gegründete anarcho-syndikalistische 
Organisation in der BRD,deutsche Sektion der 
Internationalen Arbeiter Assoziation (IAA) 

FAU - Freie Arbeiter Union; 1980 abgespal¬ 
tene Organisation von 4 Ortsgruppen der I.FAU 
FAUD - Freie Arbeiter Union Deutschlands 
(Syndikalisten) später: (Anarcho-Syndikali- 
sten); von 1919-1933 anarchosyndikalistische 
Organisation im Deutschen Reich 
IAA - s*o.?gegründet 1922, internationaler 
Zusammenschluß revolutionärer und anarcho- 
syndikalistischer Organisationen 


KAUD - Kommunistische Arbeiter Union Deutsch¬ 
lands (Revolutionäre BetriebsorgähiBation)1931 
gegründeter Zusammenschluß der beiden deutschem 
nach dem 1.Weltkrieg gegründeten unionistischen 
Organisationen Allgemeine Arbeitfit Union Deutsch¬ 
lands (Revolutionäre Betriebs-Orgahisationen) 
und Allgemeine Arbeiter Union 0fbheltsorgani- 
sation 

SB - Sozialistischer Bund, von Gustav Landauer 
initiierter anarchistischer Zuieammenschluß vor 
dem 1.Weltkrieg im deutschen Sprachgebiet, der 
vor allem den Siedlungsgedanken propagierte 
CGT - Confederation General du Travail? 18.95 
in Limoges gegründeter französischer Gewe tk- I 

schaftsverband, der bis zum 1.Weltkrieg revolu¬ 
tionär syndikalistische Methoden propagierte 
und anwendete 

CNT - Confederacion Nacional del Trabajo; 1910 | 
gegründete spanische anarchosyndikalistiÄie 
Organisation 

Robert Michels - 1871-1936, deutscher■Soziologe, 
zu Beginn des Jahrhunderts SPDH&iifcgÜed und 
Sympathisant des revolutionären SfMikallsiiss 
in Frankreich 

Henk Kanne Meiler - gestorben. ; 19#ty bölländ, . 
rätekommunistischer Theoretiker 1 

Die ersten revolutionär-syndikalistischen Ansät¬ 
ze sind aus der englischen.Arbeiterbewegung'und 
der Zeit der 1.Internationale bekannt* Zu inter¬ 
nationaler Bedeutung gelangte er mit der Durch-: 
Setzung revolutionär-syndikalistischer .Gedanken 
in der französischen Gewerkschäftsfeewegung 'fegen 
Ende des letzten Jahrhunderts, von wo er sich 
in viele Länder aller Erdteile Verbreitete und 1 
sich den jeweiligen regionalen Besonderheiten 
anpaßfce. 1922 gründete sich in Berlin die Inter¬ 
nationale Arbeiter Assoziation als Zusammen¬ 
schluß syndikalistischer Organisationen in 
Europa,der beiden Amerikas und Japans. < 

Gemeinsam ist allen syndikalistischen Richtungen 
das Konzept, daß sich Arbeiter von unten hot 
mehr oder minder föderalistisch organisieren, um 
ihre Interessen direkt und unmittelbar zu ver¬ 
treten. Diese "direkte Aktion 11 wurde zum einen,, 
gedacht als militant geführter klassenkumpf von 
seiten der Arbeiter durch Mittel Wie Sabotage* j 
Boykott, Streik, die eine Seite der Schulung 
für die soziale Revolution darstellten* Die an¬ 
dere sei die freiheitliche Erziehung, Fortbil¬ 
dung und gegenseitige Hilfe durch die Gewerk¬ 
schaft .Die soziale Revolution wird eingeleitet 
durch den revolutionären Generalstreik, die Zer¬ 
schlagung der kapitalistischen und staatlichen j 
Institutionen und die Errichtung der gesell¬ 
schaftlichen Selbstverwaltung* Für politische 
Parteien ist in diesem Konzept kein Raum. , 






7410 Reutlingen* Obere Weibermarktstr. 3 

Telefon :. 07121/370494 


ERICH MÜHSAM - Schriftsteller der Revolution 
von WOLFGANG H&UG 

Das Buch untergliedert sich im wesentlichen in 2 Teile. Im ersten 
wird die Persönlichkeit des Anarchisten Mühsam nachgezeichnet, 
wobei die Hauptaspekte auf der literarischen und politischen 
Ebene liegen. Mühsam beginnt zu schreiben als die Sozialisten¬ 
gesetze 10 Jahre aufgehoben sind, und die literarische Protest¬ 
bewegung des Naturalismus gemeinsam mit der der SPD-Opposition 
(die JUNGEN) ihren Schwung verloren hatte. Nach ersten Schwierig¬ 
keiten mit der Polizei begibt Sich Mühsam auf Reisen. Der Aufent¬ 
halt in der vegetarischen Landkommune ''Monte Verita" in.Ascona 
wird die wichtigste Station bevor er sich in der Boheme München- 
Schwabings niederläßt. 

Mit dem Ende desl.WK's beginnt Mühsams politisch einflußreichste 
Zeit. In diesem Sinne ist das Buch auch auf den Schwerpunkt 
Münchner Räterepublik angelegt* Mühsam übernimmt zwar keine lei¬ 
tende Funktion im Rat der .Volksbeauftragten, wird aber zusammen 
mit Gustav Landauer und ErrjSt Toller ihr wichtigster Propagandist. 

An diesen historischen Teil schließt der Verfasser seine Betrachtung 
des literarischen Werks Mühsams an. Er interpretiert das 1920 
im Gefängnis Ansbach geschriebene Drama JUDAS vor dem Hintergrund 
des Januarstreiks 1917 und der Münchner Räterepublik 1919.Im 
Mittelpunkt steht dabei das Gewaltproblem, das historisch von 
Anarchisten und Kommunisten kontrovers diskutiert wurde. Im 
letzten Teil des Buches versucht Haug Mühsams Tendenzkunstauf¬ 
fassung herzuleiten und sie in Vergleich zu setzen mit der Kunst¬ 
auffassung des "Bunds Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller” 
der KPD. Ein Buch, das angesichts der 1978 kurz aufgekommenen 
Mühsam-Mode dessen anarchistische Position bewußt darzustellen 

,. Preis: 9*- 

versucht. 


ANDERE LIEFERBARE BÜCHER.. DES.• VERLAGS: 



WOZU NOCH IN DIE PARLAMENTE ? -TEXTE VON FRIEDEBERG,EOCKER ZUM 

PARLAMENTÄRISMUS, MIT EINEM BEITRAG 


VERPACKT 

CHARTA 79 



EIN SUBJEKTfyEE.I3'LDER-t : UND LI 
MENSCHENDEN' 

DOKUMENTATION ZU DEN AKTIONEN 
AKTIONSGRUPPE GEGEN DEN ALTA-i 







Horst Sto wasser 

23ieiHacfjnotöefjina 






ilüpl® 

MM!] 


ln Berkely (USA) besetzten 1989 mehrere hundert Leute ein Stück 
vergammeltes Brachland. Das Land gehörte der dortigen Universität, die 
die Nutzbarmachung aus Geldmangel immer wieder verschob; das Land 
verkam und diente über ein Jahr als Schutt- und Schrottplatz. Schlie߬ 
lich hatten die Anwohner genug. Sie besetzten das Land, liehen sich Ge¬ 
räte, ebneten den Boden und säuberten ihn von Unrat, pflanzten Bäu¬ 
me, Gras und Blumen und machten es zum People's Park. Sie schafften 
einen Platz für Menschen, aus sich heraus, ohne besonderes Fachwissen 
und ohne Finanzplan. „Wir hatten keine Organisation, keinen Führer, 
keinen Ausschuß. Der Park wurde von jedem und allen angelegt und wir 
alle zusammen wirkten mit... Es war ein unglaublich gutes Gefühl, den 
Park anzulegen. In diesem Land der Zement- und Stahlstädte — die 
mehr zu Maschinen als Zu Menschen passen — schafften wir einen Ort 
für Menschen. In einer Zeit, in der nur quaüzizierten und diplomierten 
Experten und Ausschüssen Vorbehalten ist Dinge zu tun, taten wir selbst 
etwas und machten es gut. Für alle von uns war der Park etwas greifba¬ 
res, etwas, was wir getan hatten und was uns zusammenhielt. Der Park 
war Gemeineigentum/' 

People's Park existierte etwas länger als einen Monat. In einer Nacht- 
und Nebelaktion stürmten Polizisten den Park, rissen die Pflanzen aus 
dem Boden, fällten die Bäume und zäunten das Land mit Maschendraht 
ein. 30.000 Menschen gingen daraufhin auf die Straße. Auf Anweisung 
des Gouverneurs wurde die Nationalgarde eingesetzt, die binnen kurzer 
Zeit jeden Widerstand in Giftgas und scharfer Munition erstickte. Der 
Park starb, die Idee lebt weiter in uns. 

FÜR f.INE UNZERSTÖRTE UMWELT, FÜR EIN FREIES LEBEN. 

Bildband mit chronologischem Anhang, Format 19,5 x 21cm 
125$.,, *reis 9,80 DM 
ISBN 3 922256-00-7 



Nach dem Sturz der provisorischen Re|leryhg tm Oktober 1917 in 
Russland gelang es den Bolschewisten, d che 

und die Sozialisierung der Industrie und^ Lahdwirtschalt zugunsten ei¬ 
nes Zentralismus zu ersetzen, die Macht an sich zu reißen und schlie߬ 
lich sogar, alle oppositionellen Gruppen mit Waffengewalt auszu¬ 
schalten. ? 

Anders in der Ukraine. Hier hatte die kommunistische Partei kaum 
Einfluß, die Regierung war schwach und so bildeten sich besonders 
während der deutsch-österreichischen pesatzungszeit revolutionäre 
Gruppen und Reitertrupps mit deren Aufstellung Nestor Machrio beauf¬ 
tragt war. 

Bald entstand eine autonome Volksbewegung, die es trotz ständiger 
Angriffe der weißen Konterrevolutionöre und der roten Armee schaffte, 
eine freie Gesellschaft aufzubauen, ein Gemeinwesen, das auch ohne 
Regierung und Polizei, ohne Gesetze und Parteien, ohne Ausbeutung 
und Unterdrückung funktionierte. 

Hier zeigte es sich, daß es möglich ist, in einem so großen Gebiet mit 
so vielen Menschen allein auf der Basis der Selbstverwaltung, der freien 
Übereinkunft, der Solidarität und der gegenseitigen H iffe zusammen zu 
leben und zu arbeiten. 

Bis 1922, also 4 Jahre lang, konnten die Maphnöwzi Widerstand lei¬ 
sten, wurden letztendlich aber doch von der Roten Armee geschlagen. 

Dieses Buch ist geschrieben worden, um ‘'ein- wichtiges Stück Ge¬ 
schichte, das lange verleumdet und verschwiegen .wurde, nochmals ans 
Licht zu bringen — als Sammlung von Daten, Dokumenten um! Tatsa¬ 
chen, die geordnet, leicht verständlich und Äei^sichtlich zusammenge- 
faßt worden sind. 

ISBN 3 922256-04-X / Format Din A 5/122S./?S Abb.f SDM 
Gemeinschaftsausgabe mit dem An-Archia Verlag, Wetzlar 


Horst Stowasser (Hrsgj 


{$mmj$kHrftchin 



Dieser Aufsatz von Murray Bookchin, im Deutschen zuerst beim Ka¬ 
rin Kramer Verlag in der Reihe "Unter dem Pflaster liegt der Strand" 
erschienen, zählt für uns zu einem der wichtigsten Beiträge der Marxis- 
muskritik. In Amerika prägte er über lange Zeit die Anarchismus-Mar¬ 
xismus Diskussion. Anhand der Begriffe von "Klassenanalyse, Rolle der 
Arbeiterklasse, Diktatur des Proletariats etc." und der Untersuchung 
der russischen Revolution unter Einbeziehung des Aufstandes der Kron- 
städter Matrosen und der Mach nobeweg ung zeigt Bookchin auf, wes¬ 
halb der Marxismus überholt ist und neue Formen der Organisation, des 
Kampfes, der Propaganda und des Lebensstiles für eine wirkliche Verän¬ 
derung notwendig sind. 

"Bedauern löst in uns nur aus, daß ein solcher Autor von noch relativ 
wenigen Rezipienten gelesen wird. Für uns wird einerseits die Möglich¬ 
keit des Umdenkens in diesem Heft geboten — so daß wir es allen dog¬ 
matischen Gruppen vor die Füße werfen möchten (ob es in ihnen noch 
Träume wecken kann?) — und andererseits wird uns int der Auseinander¬ 
setzung mit diesem Text und Bookchin relativ deutlich, wie wir wie ein 
Sandkorn gegen den Orkan anzukämpfen versuchen. Möge das Heft eine 
noch breitere Leserschaft erreichen, damit wir endlich wieder mehr wer¬ 
den." (Martina Behnke* Klaus Bernd Vollmar im Ulcus Molle) 

ISBN 3-922256-02-3 /Format Din A 5/64 Seiten /Broschur /Preis 2 DM 


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Ende Oktober 1918 war das M r ' für viele Arbeiter und Soldaten voll. 
Während Herr Ebert in seinem Wohnzimmer auf ein Wunder wartete, 
streikten und meuterten sie, gingen auf die Straße und demonstrierten 
gegen den Krieg und für eine bessere Lebensmittelversorgung. 

Immer mehr schlossen sich an, in immer mehr Städten kam es zu 
Kämpfen und spontanen Massendemonstrationen. Beamte und Offi¬ 
ziere wurden ihrer Posten enthoben und Arbeiter- und Soldaten rate 
gewählt, die die Organisation des täglichen Lebens in die Hand nahmen. 

Die Broschüre schildert die Aufstände der Soldaten und Arbeiter, die 
schließlich durch den Verrat der SPD ein blutigesEndeiarÄm 

fSBN 3-922256-03-1 / Format Din A 5 /Zahlreiche Fom/7$$J3 DM 
Gemeinschaftsausgabe mit dem An-Archia Verlag, Wetzlar 


Lieferung erfolgt frei Haut Ab 5 Exemplaren einet Titels gibt ex 20% Rabatt,ab 10 Exemplaren Bestellungen bitte an: 

30%Smzeibeueüungen nur per Vorautkane auf das Postscheckkonto 3219 76-600Postscheck WiiiddnicS: Verlag 

amt Ffm {Ink, A.Sagrudny) oder bis 5DM in Briefmarken beilegen An Buchhandlungen liefern Am Bmkcltk>h 13 
wir mit des? üblichen 30%. 3554 tohia-EcMlasnlMa. 




















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Wir verkaufen die Broschüre "WIE VERWEIGERE ICH DEN KRIEGSDIENST" 
(72 Seiten). Von Erfassung, Musterung, Verhandlung, Begründung, 
Adressen, Rechtsanwälte bis Zivildienst. 3.-DM + Porto. Ab 10 Stück 
2,50 DM. REGENBOGEN, Bachstr.15, 8125 Huglfing 


WE ARE EVERYWHERE 
Geschrieben im Cook County Jail 
von JERRY RUBIN 


Verlag Büchse der Pandora 


7410 Reutlingen, Obere Weibermarktstr. 3 
Telefon: 07121/370494 

- Hierbei handelt es -ich um ein subjektives Lese- 
und Bilderbuch gegen die entmenschende Warenge¬ 
sellschaft BRD. Ein Autorenkollektiv von 7 Leuten/ 
-innen versuche assoziativ Zusammenhänge klarzu¬ 
machen. Nicht über umständliche Theorie, sondern 
über Bilder, Photos, Geschichten,Artikeln wird 
provokativ auf Auswirkungen der Warengesellschaft 
reagiert. Themen,auf die sich das Kollektiv dabei 
beschränkt hat sind: Angst, Aberglaube, Mensch 
(Frau) als Ware,Vermassung, Fließbandfreizeit, 
menschliche Beziehungen,Herrschaftssprache... 9» - 


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Jahresabo : 10,-DM (incl.Porto) 
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(ab 5 Exemplaren) 

Für Sendungen an Gefangene 
rufen wir zu Patenschaftsabos 


PSK Stuttgart : 574 63-703 
(Friederike Kamann,Reutlingen) 


Straß© 


316 Seiten, viele Fotos, 


ISBN 3-88178-019-X 























0R8EHALT: 

ahme” ist keine persönliche Aus 
’orbehalt. Wird die Zeitschrift 
>nlich ausgehändigt, ist sie dam 
sr Nichtaushändigung zurück- 
ift dem Gefangenen nur teilweise 
sind die nichtausgehändigten 
snder mit dem Grund der Nicht- 


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